Woche 33: Panjim und Südgoa

14.05.23-22.05.23

In Panjim (bzw. Panaji) haben wir ein Hotelzimmer im Zentrum gebucht. In diesem Viertel fühlt man sich als Tourist ein bisschen fehl am Platz. Durch Müll und Baustellen wirkt die Gegend leicht verwahrlost. Verstärkt wird der Eindruck noch durch die Tatsache, dass Sonntag ist. Viele Geschäfte haben geschlossen und auch rund um den Markt ist fast nichts los. Erst am nächsten Tag sehen wir die Obst- und Gemüsehändler in Aktion. Übrigens gibt es auch hier Krabbeltiere in der Wohnung – Ameisen. Sie laufen jeden Tag nach Sonnenuntergang auf der selben, kurvenreichen Strecke durch unser Zimmer, stören sonst aber nicht.

Goa war einst eine portugiesische Kolonie und deren Einfluss ist bis heute spürbar. So sind fast 30 Prozent der Einwohner katholisch und auch in kleinen Dörfern gibt es alte Kirchen. In Panjim ist die Vergangenheit im Viertel Fontainhas am deutlichsten sichtbar. Im Rahmen einer Stadtführung laufen wir durch die engen Gassen des ursprünglichen Stadtkerns. Die Häuser sind maximal zweistöckig, oft noch mit alten Lehmziegeln gedeckt und auffällig bunt gestrichen (früher vorgeschrieben, um die einzelnen Haushalte unterscheiden zu können). Viele Hauswände und Innenhöfe sind mit üppigen Topfpflanzen geschmückt. Wir besuchen eine Bäckerei mit uraltem Holzofen und eine Kunstgallerie. Dank Fontainhas gilt Panjim als die schönste Stadt Goas, trotz oder gerade wegen der Tatsache, das es sich nicht sehr indisch anfühlt. Es ist sauber, ruhig und friedlich hier. Die fotogenen Kolonialhäuschen tuen ihr übriges.

Neben der Architektur ist Panjim noch für etwas anderes bekannt (im Inland zumindest): Glücksspiel. Es scheint so ziemlich der einzige Ort in ganz Indien zu sein, wo das legal ist. Auch Alkohol wird nicht in jedem Bundesstaat verkauft. Es gibt entsprechend viele Casinos in der Stadt bzw. auf dem Fluss, denn die Mehrheit der Casinos ist auf großen, festverankerten Schiffen untergebracht. Wir beschließen ein paar Euros zu opfern und besuchen das Deltin Royale (das gefühlt nobelste). Man bezahlt eine Eintrittsgebühr, die Essen und Getränke beinhaltet (Preis je nach gewünschtem Alkohol). Dann bringt eine kleine Fähre die Gäste zum Casinoschiff. Meine Sorge under-dressed zu sein stellt sich als unbegründet heraus, die Kleiderordnung wird anscheinend nicht so streng kontrolliert (es gibt sogar Männer in Flipflops). Generell scheint der Besuch hier für die Inder eher ein Familienevent zu sein. Die Kinder kann man nach dem Essen im Kiddieparadies abgeben. Wir schleichen lange um die Spieltische bis wir uns entscheiden, wo wir unsere Kleinbeträge am besten verlieren können (vielleicht wären die Einsätze in anderen Casinos niedriger gewesen). Dann setzen wir uns aufs Open-Air-Deck und sehen der relativ schlechten Showeinlage zu. Am Ende des Tages ist der Besuch ein lustiges und leicht seltsames Erlebnis. Lohnt sich dann, wenn man viel trinken möchte, denn mit Alkohol wird hier nicht gegeizt.

Den heutigen Tag nutzen wir für einen Ausflug nach Old Goa. Die frühere Hauptstadt musste ihren Status 1843 offiziell an Panjim abtreten. Von Krankheitsausbrüchen geplagt hatte sie stark an Einfluss verloren. Heute ist nur noch ein kleines Dorf übrig – und sehr viele alte Kirchen. Als wir am späten Vormittag ankommen, sind schon hunderte andere Touristen da. Der Anblick des alten Stadtzentrums ist wirklich ungewöhnlich. Um die Umsiedelung der Bewohner nach Panjim zu beschleunigen, wurden damals die Wohnhäuser zerstört (der heutige Ort liegt außerhalb), sodass jetzt nur noch sakrale Gebäude – sozusagen auf der grünen Wiese – stehen. Wir besuchen die Basilica do Bom Jesus, die vielleicht bekannteste der Kirchen. Dann laufen wir zur Kathedrale und den direkt angrenzenden Gebäuden. Im Umkreis gibt es noch sehr viel mehr Kirchen, die wir aber wegen geschlossener Tore und der Hitze nicht alle anschauen. Es ist schade, dass man die Grünflächen und das geringe Verkehrsaufkommen nicht länger genießen kann. Die großen freien Flächen sind zwar hübsch, bieten aber keinerlei Schatten. Die Hitze ist extrem. Also gehen wir nur noch zur Ruine auf dem Hügel, bevor wir zurück fahren.

Einen Tag später geht es nach Palolem, das wir nach einer ziemlich langen Autofahrt erreichen. Hier liegt einer der schönsten Strände von Goas Süden. Er ist halbrund, rötlich und von hunderten Palmen gesäumt. Am auffälligsten ist aber, dass hier tatsächlich ein paar europäische Touristen sind, mehr als ich in den ganzen letzten Wochen gesehen habe. Wir laufen den Strand bis ganz zum Nordende entlang (Flussmündung, viele Boote), dann zum Südende (Felsen, Blick auf den nächsten Strand). Ansonsten genießen wir in den zweieinhalb Tagen hier einfach nur Sonne und Meer.

Nicht weit entfernt, in Agonda, haben wir uns eine kleine Hütte direkt am Strand gemietet. Der Sand liegt bis direkt vor unserer Tür. Es ist ruhig hier, kaum Menschen unterwegs. Wir sitzen im Schatten auf der Veranda und sehen den Wellen zu. Am zweiten Abend zieht ein Gewitter über den Ort. Ich habe es noch nie in dieser Frequenz blitzen sehen. Man hört nur wenig Donner, aber der Himmel flackert ununterbrochen. Für Sekundenbruchteile ist der Strand taghell erleuchtet. Als der Regen nachlässt, gehen wir schlafen. Morgen fahren wir zu unserer letzten Stranddestination.

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