Woche 38: Bohinj und Lake Bled

23.06.23-30.06.23

Von Ljubljana aus fahren wir mit dem Bus nach Srednja Vas. Dort haben wir ein kleines Dachgeschoss-Apartment gemietet. Das Highlight ist der Balkon. Dort verbringen wir den restlichen, regnerischen Tag und bewundern kurz vor Sonnenuntergang den zweifarbigen Himmel.

Es gibt in der Umgebung eine Reihe kostenloser Buslinien, die die touristischen Plätze miteinander verbinden. Leider fahren sie nur sehr selten. Deswegen gehen wir zu Fuß zum See von Bohinj. Das erste Stück führt an der Straße entlang, dann biegen wir auf einen Radweg ab. Er führt an einem kleinen Fluss und wunderschönen Wildblumenwiesen entlang. Als der See in Sicht kommt bleiben wir erst einmal stehen, um diese unglaubliche Aussicht zu genießen. Das Wasser ist so blau und kommt durch die bewachsenen Berghänge noch besser zur Geltung.

Direkt am Ufer gibt es einen Fahrradverleih. Patrick will schon seit Langem ein E-Bike ausprobieren und hier ist die ideale Gelegenheit dafür. Es sind nur noch drei Räder übrig, deswegen muss ich leider eines mit zu großem Rahmen nehmen. Die ersten Meter fahren sich wirklich sehr entspannt. Dann geht es bergauf. Hier zu fahren ist immer noch anstrengend, aber natürlich nicht so sehr, wie mit einem normalen Rad. Der Hauptunterschied ist, dass man sehr viel schneller oben ankommt. Patrick hat einen Aussichtspunkt ausgesucht. Auf einmal endet die asphaltierte Straße und wir müssen über groben Schotter weiterfahren. Die breiten Reifen sind dafür zwar grundsätzlich geeignet, aber man muss sich wirklich konzentrieren. Dann endet auch diese Straße und nur schmale, sehr steile Pfade führen weiter. Ich weigere mich dort lang zu fahren. Wir drehen um. Bergab rutsche und stürze ich so oft, dass ich schließlich frustriert absteige und schiebe. Off road fahren ist offensichtlich nichts für mich. Mittagessen gibt es in einer kleinen Hütte an einer Abzweigung. Patrick erkundet einen Aussichtspunkt (einen anderen als den ursprünglich geplanten), während ich schon mal das Essen bestelle. Dann machen wir uns auf den Rückweg. Abwärts und auf normalem Straßenbelag schaffen wir es in kürzester Zeit zurück zum Seeufer. Mit Blick auf die berühmte Brücke mit Kirche halten wir die Füße ins Wasser. Nur kurz, denn es ist eisig und schmerzhaft.

Direkt hinter dem Ort, in dem wir wohnen, erhebt sich ein steiler Hügel, der dicht mit Bäumen bewachsen ist. Patrick möchte dort hinauf wandern. Doch der Weg durchs Gebüsch ist bereits am Anfang so zugewachsen und offensichtlich wenig benutzt, dass ich wieder umkehre. Zu groß ist meine (vielleicht irrationale) Angst einem Bären zu begegnen. Davon gibt es viele in diesem Teil von Slowenien. Wir wählen einen anderen Weg, der erst über Felder führt. Als es auch hier in den Wald geht, treffen wir eine Gruppe von drei Deutschen. Das beruhigt mich ein bisschen. Es geht steil den Hang hinauf, dafür wird man mit schöner Aussicht über das Dorf und die Berge des Nationalparks belohnt. Sogar der Triglav (höchster Berg des Landes) ist zu erkennen. Auf der anderen Seite geht es flacher wieder hinunter. Wir erreichen den See an der gleichen Stelle wie gestern. Nach einem späten Mittagessen laufen wir zurück und entspannen noch auf dem Balkon.

Am nächsten Tag müssen wir früh aufstehen, damit wir einen der seltenen Busse in die nächste Stadt erwischen. Kurz vor der geplanten Abfahrt hält ein anderer, regulärer Linienbus vor uns. Der ist zwar nicht kostenlos, aber der Fahrer bringt uns direkt zum Bahnhof (eigentlich kein vorgesehener Halt). So erwischen wir noch einen verspäteten Zug und verkürzen unsere Umsteigezeit von einer Stunde auf fünf Minuten. Die Fahrt nach Bled dauert nicht lange. Stunden vor der offiziellen Check-In-Zeit erreichen wir die nächste Unterkunft. Wir stellen unser Gepäck ab und starten einen Spaziergang um den Bled-See.

Das Wasser ist geradezu unnatürlich blau gefärbt. Nach wenigen Metern biegen wir von der Straße ab und laufen auf einem schmalen Pfad den Hang hinauf. Hier befinden sich mehrere Aussichtspunkte. Es ist heiß heute und wir kommen entsprechend verschwitzt oben an. Gemeinsam mit vielen anderen Touristen genießen wir den Blick auf die Insel im See. Danach laufen wir weiter am Ufer entlang, vorbei an Anglern, Seerosenteppichen und Baby-Enten. Es gibt mehrere kleine Stege und Strände, an denen man baden gehen kann. Am Ostufer liegt der Ortskern mit vielen Hotels und Restaurants. Von hier legen auch die Boote zur Insel ab. Am Nordufer liegt auf einem hohen Felsen das Schloss von Bled. Wir entscheiden uns gegen einen Besuch. Mittlerweile ist es Mittag, sodass wir endlich unser Zimmer beziehen können. Nach dem Essen laufen wir noch einmal zurück zum See und springen ins Wasser. Es ist herrlich. Die Temperatur ist erfrischend und viel angenehmer als die des Bohinj Sees. Wir beobachten eine Weile die vielen anderen Leute, dann laufen wir zurück.

Von den beiden Tagen, die wir in dieser wunderschönen Gegend verbringen, fällt der zweite ins Wasser. Der Wetterbericht hat uns vorgewarnt, also planen wir gar nichts, sondern verbringen den Tag mit Netflix. Zwischenzeitlich stehen wir fasziniert vor dem Fenster. Es regnet nicht einfach nur, es ist ein richtiges Gewitter aufgezogen, das sogar Hagel bringt. Nach wenigen Minuten ist der ganze Garten voll weißer Körner.

Unser wirklich allerletzter richtiger Urlaubstag ist angebrochen. Das Wetter hat sich gebessert. So können wir immerhin noch die Fahrt mit dem Ruderboot machen. Man kann sich entweder ein eigenes, kleines Boot mieten und selbst rudern. Oder man lässt sich mit circa zwanzig anderen Personen in einem größeren Boot von einem muskulösen Einheimischen fahren. Das ist zwar weniger individuell, aber günstiger und schattiger (Dank Überdachung). Die Fahrt ist sehr langsam und ungewöhnlich still (weil es ja keinen Motor gibt). Das Ufer gleitet langsam an uns vorbei, während die Insel immer näher kommt. Der Bootsführer ist auch nach zwanzig Minuten Rudern scheinbar nicht aus der Puste. Dann haben wir Zeit auf eigene Faust die Insel zu erkunden. Eine breite Treppe mit vielen Stufen führt hinauf zur Kirche. Für die Besichtigung müsste man Eintritt bezahlen. Stattdessen setzten wir uns auf eine Bank im Schatten und genießen den Blick über das Wasser. Nach einer genauso beschaulichen Rückfahrt verabschieden wir uns vom Bled-See. Es gibt noch ein slowenisches Mittagessen und einen traditionellen slowenischen Kuchen. Dann steigen wir in den Bus zurück nach München.

Slowenien ist der ideale Abschluss unserer Reise gewesen. Schnell erreichbar, von überschaubarer Größe und voll von wunderschöner Natur und Kultur. Nicht exotisch, sondern einfach anders und trotzdem vertraut. Die perfekte Möglichkeit etwas Neues zu sehen und sich doch langsam wieder an die Heimat zu gewöhnen.

Dreieinhalb Tage sind schließlich noch Zeit, um unsere wieder bezogene Wohnung zu putzen und die ersten Kisten auszuräumen. Dann sind die neun Monate Auszeit endgültig vorbei und der erste Arbeitstag wartet. Voller Eindrücke und Erfahrungen und mit einem unbestimmten Wunsch nach Normalität sind wir zurück gekehrt. Es war sprichwörtlich die „Reise unseres Lebens“ und als solche wird sie uns immer in Erinnerung bleiben.

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