Schlösser und Vulkane

13.10.2024-19.10.2024

Von Nagasaki fahren wir weiter nach Kumamoto. Dort kommen wir mittags an, sperren unser Gepäck in ein Schließfach und nehmen direkt den nächsten Regionalzug nach Aso. Von hier aus kann man mit einem Shuttlebus in den Aso Nationalpark fahren. Der Bus ist bis auf den letzten Platz besetzt, auch die Notfallklappsitze im Mittelgang. Nach etwa 20min Fahrt stehen wir im Stau. Im Gegensatz zu anderen Ländern scheint Japan die Anzahl an Fahrzeugen in so einem Park nicht zu begrenzen. Das Wetter ist traumhaft, heute ist Sonntag und morgen Feiertag. Am langen Wochenende ist der Park offenbar ein überaus beliebtes Ausflugsziel (wie so ungefähr jede andere Attraktion auch; alles ist im Voraus ausgebucht, Hotels überall doppelt so teuer wie sonst). Wir hätten besser früher am Tag herkommen sollen, aber mit der langen Anreise ging das nicht. Der Bus kriecht quälend langsam den Berg hoch, unsere verbleibende Besichtigungszeit wird stetig weniger. Wir versuchen gelassen zu bleiben, ändern lässt es sich ja nicht (keine Chance auszusteigen oder gar zurück zu fahren). Der Bus hält am Besucherzentrum (mit Museum), steht danach wieder im Stau. Nach fast zwei Stunden (statt einer halben) erreichen wir die Endstation. Von hieraus kann man in 30min zum Kraterrand des Vulkans Aso laufen. Wütend stellen wir fest, dass die Parkplätze oben gar nicht voll sind, sondern der gigantische Rückstau nur durch die Mautstelle entsteht. Der Wegrand in der sonst kargen Landschaft ist von flauschigen Gräsern gesäumt. Wir sehen erloschene Krater voller Gesteinsschutt und dann, endlich, den aktiven Krater. Aus dem milchiggrünen Kratersee steigen Dämpfe auf und bieteten einen dramatisch-geheimnisvollen Anblick. Entlang der vielen Schutzhütten aus Beton gehen wir zurück. Patrick läuft über einen Holzplankenweg (es gäbe hier oben zahlreiche Wanderwege zu erkunden) zu einem weiteren Aussichtspunkt, während ich schon zur Bushaltestelle eile. Wir möchten den vorletzten Bus zurück zum Bahnhof nehmen, aus Angst in den letzten nicht mehr rein zupassen und hier zu stranden. Patrick kommt gerade rechtzeitig und völlig außer Atem angerannt. Für das Museum und das angrenzende Grasland bleibt leider keine Zeit. Von der Passstraße aus haben wir aber noch eine gute Sicht auf den Rand der riesigen Caldera, in der sich der Vulkan befindet, und auf einen Minivulkan (er ist geradezu unwirklich gleichmäßig mit Gras bewachsen). Am Abend schlendern wir durch die Innenstadt von Kumamoto. Vor dem Feiertag ist hier richtig viel los. In Jeff’s World Bar sitzen fast nur Ausländer und der Barkeeper spricht sehr gut Englisch. Wir dürfen ein Polaroid zu den vielen anderen an die Wand hängen.

Tag zwei in der Stadt gehen wir eher gelassen an. Patrick macht Fotos von One-Piece-Statuen. Auf der Suche nach dem Eingang zum Suizenji Jojuen Garten überqueren wir einen kleinen Fluss. Das Wasser ist so klar, dass ich das Gefühl habe in ein Aquarium zu blicken. Wasserpflanzen, weißer Sand und kleine Fische verstärken den Eindruck. Im Teich des Gartens sind deutlich größere Kois zu finden. Außerdem gibt es einen kleinen Schrein und einen Miniatur Mount Fuji. Die Hauptattraktion in Kumamoto ist das Schloss. Trotzdem verzichten wir auf einen Besuch. Durch Erbeben wurde es stark zerstört und die wiederaufgebaute Variante hat im Inneren wohl ein sehr nüchternes, modernes Erscheinungsbild.

Wir erreichen die südlichste Stadt auf dieser Reise. Kagoshima hat fast schon subtropisches Klima. Mit der Fähre setzen wir nach Sakurajima über. Auf dieser Halbinsel liegt, in unmittelbarer Nähe der Großstadt, der gleichnamige, sehr aktive, Vulkan. Schon aus weiter Entfernung ist die Rauchwolke zu sehen, die über dem Berg steht. Kleinere Ausbrüche mit Ascheregen kommen häufig vor und es gibt eine 2km Sperrzone um den aktiven Krater. Die Halbinsel ist trotzdem bewohnt. Wir entspannen erst beim großen Thermalwasser-Fußbad neben dem Besucherzentrum und genießen den Blick auf die Bucht. Dann gehen wir den Lava Trail entlang. Obwohl der Weg eben ist, kommt es uns in dem schwülen Klima sehr anstrengend vor. Nach circa einer Stunde erreichen wir einen Aussichtspunkt mit Erklärtafeln zum letzten großen Ausbruch 1914. Wir laufen den gleichen Weg zurück, zwischen Kiefern und Kletterpflanzen hindurch, und machen Fotos von den vielen Katzen, die am Wegrand schlafen. Am spätem Nachmittag checken wir in unser „Robot“ Hotel ein. Die Rezeption besteht nur aus einem automatischen Terminal. Wo sonst ein Hotelmitarbeiter stehen würde, begrüßt uns ein Dinosaurier-Hologramm. Ein bisschen creepy, finde ich.

Mit einem langsamen Zug fahren wir auf einer eingleisigen Strecke nach Ibusuki. Die Region wird gerne als „Hawaii in Japan“ angepriesen, ist aber ziemlich ausgestorben. Wir laufen eine Stunde lang durch die Hitze um eine Besonderheit zu sehen: Eine gezeitenabhängige Sandbank, die die kleine Insel Chiringashima mit dem Festland verbindet. Heute ist die Sandbank leider an einer Stelle unterbrochen und ein Schild verbietet zur Insel zu laufen. Wir sind ein bisschen enttäuscht. Patrick möchte trotzdem rüber (die Wasserschneise ist nur circa 2m breit und 20cm tief), ich halte ihn davon ab. Ich glaube zwar auch nicht, dass es gefährlich wäre, aber ich möchte nicht das Image vom rücksichtslosen Touristen festigen. Also laufen wir die ganze Strecke wieder zurück. Eigentlich war jetzt noch ein Besuch im „Sandbad“ geplant (man lässt sich am Strand in den vulkanisch aufgeheizten Sand eingraben), aber in Anbetracht der Außentemperatur verzichten wir auf die 50 Grad heiße Natursauna. Vor dem Bahnhof gibt es ein Fußbad, das wir nutzen während wir auf den Zug warten. Ich muss mich sehr anstrengen die Füße im Wasser zu lassen, es ist schmerzhaft heiß.

Und, weil es so schön war, zwei Stunden in einem Regionalzug mit zu kleinen Bänken zu sitzen, machen wir das einen Tag später gleich nochmal. Wir fahren sogar noch ein Stück weiter, bis nach Kaimon, dem südlichsten Bahnhof der Satsuma Halbinsel. Von hier aus kann man den gleichnamigen Vulkan besteigen. Erst läuft man 20min durch den Ort und eine Bergstraße hoch. Hier beginnt der Wanderweg, er ist mit 5:30h für Hin- und Rückweg beschildert. Wir haben nur ca. 4h Zeit (sonst verpassen wir den Zug zurück). Ich stelle einen Timer, damit wir rechtzeitig umkehren, falls wir zu langsam sind. Anfangs ist der Weg schmal und tief eingeschnitten, man läuft zwischen Wänden aus Lavagestein. Die Luft ist feucht, nach wenigen Minuten sind wir schweißgebadet. Wir wussten nicht, ob noch andere Wanderer unterwegs sein würden, aber ein paar kommen uns tatsächlich entgegen. Der Kaimon-dake ist dicht bewachsen, wir laufen durch einen grünen Tunnel aus Pflanzen. Nach der Hälfte der Strecke gibt es einen Aussichtspunkt. Ab hier wird es anspruchsvoller. Der Weg wird mehr und mehr durch große Felsbrocken ersetzt und immer steiler, die letzten Meter muss man fast schon klettern. In der Sekunde als wir den Gipfel erreichen, läuft der Timer ab. Die Sicht ist trüb, aber besser als von unten erwartet. Ein Foto, ein Müsliriegel, dann hasten wir zurück. Die Wanderung durch die tropische Vegetation ist wunderschön, leider können wir sie nicht angemessen genießen. Ohne Pause laufen wir bergab, meine Beine sind verkrampft, aber ich schaffe es durchzuhalten.

Heute verabschieden wir uns von der Insel Kyushu und fahren wieder ins dicht besiedelte Zentrum Japans. Man merkt sofort, dass in Himeji deutlich mehr Touristen unterwegs sind. Ich bin ein bisschen schlapp und habe Kopfschmerzen, deswegen lassen wir uns heute Zeit. Wie alle, möchten wir das Schloss anschauen. Es wurde 1601 in seiner heutigen Form errichtet und mehrfach restauriert. Nur wenige Bauteile sind noch die ursprünglichen, aber alles wurde originalgetreu wieder hergestellt. Das Schloss besteht aus einem Haupturm mit sieben Stockwerken und drei kleineren Türmen, sowie Verbindungsgängen. Die vielen Dächer und die strahlend weiße Fassade bieten einen erhabenen Anblick. Obwohl die Innenräume leer sind, finde ich sie beeindruckend. Alles ist aus Holz. Zwei über 20m lange Holzpfeiler tragen die Hauptlast des ganzen Gebäudes. Über glatt geschliffene Fußböden und steile Treppen geht es immer weiter nach oben. Ich finde es sehr überraschend, dass die Höhe der Stockwerke im Inneren nicht mit der Position der Dächer außen übereinstimmt. Vom obersten Geschoss aus hat man eine tolle Aussicht über die Stadt. Im Anschluss besuchen wir noch den benachbarten japanischen Garten Koko-en. Er ist in mehrere Themenbereiche aufgeteilt, die durch Mauern getrennt sind. Der erste Teil mit Wasserfall und Teich gefällt mir am besten.

Von Himeji ist es nicht weit bis Kobe. Nach dem Mittagessen (ich hatte zwei Portionen Gyoza, weil Patrick seine allergiebedingt stehen lassen musste), fahren wir zur Hakutsuru Brewery, eine von zahlreichen in Kobe ansässigen Sake (Reiswein) Brauereien. In dieser gibt es ein kleines Museum mit englischen Videos. Der Herstellungsprozess ist sehr viel aufwändiger als ich gedacht hätte. Früher war alles Handarbeit unter Verwendung verschiedenster hölzerner Gefäße und Geräte. Mittlerweile kommt natürlich moderne Technik und Edelstahl zum Einsatz, aufwendig ist es aber immer noch. Anschließend kann man drei Sorten Sake kostenfrei probieren. Bis zu sieben weitere Sorten werden gegen einen kleinen Betrag auch in großen Gläsern ausgeschenkt. Natürlich gibt es diese und viele andere im angegliederten Shop zum nachkaufen. Am Abend laufen wir zum Earthquake Memorial an der Küste. Der Abschnitt mit schiefen Laternen und zerbrochenen Betonblöcken wurde seit dem Erdbeben 1995 unverändert gelassen. Es fängt an stark zu regnen, deswegen rennen wir schnell zum Kobe Port Tower, kommen aber trotzdem völlig durchnässt dort an. Als der Regen nachlässt schlendern wir durch Haborland, ein Shopping- und Vergügungszentrum. Leider ist nicht viel Zeit die Läden zu erkunden, denn wie in Bayern schließt hier alles um 20 Uhr.

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