Woche 31: Indische Hitze

03.05.23-08.05.23

Die Abflughalle von Kathmandus Flughafen ist chaotisch. Beim Schlangestehen bekommen wir schon einen Vorgeschmack auf das, was uns am Ziel erwartet. Mehrere Männer drängeln sich völlig selbstverständlich vor und lassen die Gepäckwägen einfach zwischen den Leuten stehen, sodass niemand mehr durch kommt. Patrick stellt die Schuldigen zur Rede, aber die Kritik prallt einfach ab, überhaupt kein Einsehen. Als regelliebende Deutsche stehen wir da erstmal ziemlich sprachlos daneben. Ich ahne Übles, aber der Flug verläuft ganz normal. In Mumbai können wir einen Eintrittsgutschein für die dortige Lounge nutzen. Sie ist eher klein und nicht so luxuriös wie ich mir das vorgestellt hatte. Aber mit gratis Essen und gemütlichen Sesseln ist die Warterei schon deutlich angenehmer. Der zweite Flug bringt uns abends nach Goa, genauer nach Vasco da Gama. Hier bleiben wir nur, weil es zu spät ist noch weiter zu fahren.

Unser eigentliches Ziel (am nächsten Vormittag) ist Calangute. Dort essen wir ein erstes, viel zu scharfes (angeblich „not spicy“) Mittagessen. Das Städtchen an sich hat nicht sonderlich viel zu bieten. An der Hauptstraße reiht sich ein Cashew-Laden an den nächsten. Der Verkehr ist nicht so dicht, wie ich befürchtet hatte, aber natürlich auch nicht angenehm (hupen ist besser als bremsen und es gibt keinerlei Gehwege). Am späten Nachmittag entfliehen wir der Hektik und laufen zum Strand. Die ersten Meter sind mit Müll übersäht, dann wird es besser. Der bräunlich goldene Sand knirscht beim Laufen unter den Füßen, fast so wie frisch gefallener Schnee. Ich war lange nicht an einem so breiten und langen Strand. So weit wir sehen können, befinden sich fast durchgehend Restaurant-Hütten („Shacks“) entlang des Wassers. Dafür ist Goa berühmt, trotzdem hatte ich nicht erwartet, dass jetzt, in der Nebensaison so viele geöffnet haben. Bis zum Sonnenuntergang bleiben wir noch am Strand sitzen.

Den nächsten Tag machen wir zum Strandtag. Man muss zwangsläufig die Liegen (mit Schirm) vor einer der Hütten nutzen (und dort etwas bestellen), denn in der Sonne ist es viel, viel, viel zu heiß. Auch das Meer erfrischt immer nur kurz. Selbst die vielen Straßenhunde wissen den Schatten zu schätzen. Unter fast jeder Liege liegt einer halb im Sand vergraben. Das Essen in den Strandlokalen schmeckt aber überraschend gut. Als die Tageshöchsttemperaturen erreicht sind, fliehen wir in unser klimatisiertes Hotelzimmer (der Strom – und damit die Klimaanlage – fällt zwar ziemlich oft aus, aber es ist immer noch angenehmer als draußen).

Gefühlt ist es schon Tradition: Wenn das Wetter zu warm ist und es keine spannenden Sehenswürdigkeiten gibt, suchen wir uns eine Shopping-Mall. Die Mall de Goa ist eine 20 minütige Rickshawfahrt entfernt und angeblich die größte in diesem Bundesstaat. Die Anzahl an Läden ist trotzdem überschaubar. Das stört uns nicht so sehr, denn es gibt auch ein Kino. Der Saal ist erwartungsgemäß unterkühlt, der Film ist gut.

Unser Hotel hat einen kleinen Pool. Am Vormittag stehen die Liegen noch im Schatten des Gebäudes, da lässt es sich dort gut ausahalten. Später laufen wir auf der Suche nach möglichst chillifreiem Essen eine Weile durch die ruhigen Wohnstraßen. Es gibt (mal wieder) Pizza. Mittlerweile ist es später Nachmittag. Wir beschließen am Strand entlang zurück zu gehen. An einem Abschnitt genießen hunderte indische Touristen ihren Urlaub oder auch nur den Sonntagabend. Komplett bekleidet sitzen sie in der Brandung oder lassen sich von den Wellen über den Sand rollen. Wir sind überrascht davon, wie verschieden die Menschen in unterschiedlichen Ländern sich am Strand verhalten. Dabei scheinen in Indien wir selbst die Hauptattraktion zu sein. Ständig wollen Leute Fotos von uns machen (nicht nur am Strand).

Heute nutzen wir die unglaubliche Länge des Strandes (erstreckt sich entlang mehrerer Ortschaften) nochmal richtig aus. Weiter südlich befindet sich das Fort Aguada auf der Landspitze neben einer Flussmündung. Über eine Stunde laufen wir am Meer entlang. Dann erreichen wir das Fort Sinquerim. Hier ist aus rotem Gestein eine Aussichtsplattform ins Wasser gebaut. Vermutlich dienten die Vorläufer davon früher als Verteidigungsanlage. Direkt dahinter befindet sich ein nobles Hotel im Hang. Das letzte Stück um die Landspitze herum ist leider versperrt (Baustelle). Der Umweg durchs Inland ist uns weit, wir sind ja schon recht lang unterwegs. Das Fort Aguada bekommen wir also nicht mehr zu sehen. Der Rückweg kommt uns deutlich länger vor, obwohl es nicht mehr ganz so heiß ist.

Nach fünf Tagen in Calangute hat mich Goa noch nicht ganz überzeugt. Mit dem scharfen Essen tu ich mir allgemein schwer, aber vor allem fehlt mir in dieser Stadt der Charakter. Der großzügige Strand macht die staubige Hektik der nichtssagenden Hauptstraße nicht ganz wett.

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