13.04.23-18.04.23
Mal wieder haben wir einen langen Reisetag vor uns. Von Vietnam nach Nepal gibt es keine Direktflüge, wir müssen den Umweg über Kuala Lumpur nehmen. Dabei haben wir schon wieder eine Airline erwischt, bei der man Snacks nicht mit Kreditkarte bezahlen kann. Aus Mitleid bekommen wir zumindest etwas Wasser geschenkt. Am Flughafen erwartet uns das nächste Negativ-Highlight: Der Terminal-Transfer kostet Geld (nur der super langsame Bus ist kostenlos). Erst spät am Abend erreichen wir Kathmandu. Die Straßen ins Stadtzentrum sind huckelig – und voll. Der Taxifahrer erklärt entschuldigend, dass der Beginn des nepalesischen Neuen Jahres gefeiert werde, deswegen so viel Verkehr. Wir sind neugierig. Nach einem späten Abendessen lassen wir uns von der Menge durch die Straßen treiben. Eine Bühne ist aufgebaut, die Musik ist ziemlich laut, alle sind ausgelassen. Wir halten bis Mitternacht durch, warten auf den großen Knall, aber es werden nur eine Handvoll Wunderkerzen abgebrannt. Zeit schlafen zu gehen.


Thamel, das Touristenviertel von Kathmandu, besteht zur einen Hälfte aus Souvenirläden und zur anderen aus Trekkingagenturen und Bergen von warmer Kleidung. Neben Taxifahrten kriegt man hier an jeder Ecke Wandertouren angeboten. Es ist wirklich unschwer zu erkennen, dass es die hohen Berge sind, die all die Ausländer hierher locken. Wir nutzen das Angebot für unsere eigenen Vorbereitungen. Wir kaufen warme Handschuhe, leihen Schlafsäcke aus (auf Empfehlung von zwei deutschen Mädels nehmen wir dickere als ursprünglich geplant) und organisieren den Transfer zum Flughafen Ramechhap. Samstagmittag kommt Alex aus Deutschland an. Er ist ein Kollege von Patrick und wird uns die nächsten zwei Wochen auf der Wanderung begleiten. Wir packen Probe und hinterlegen alles an überflüssigem Gewicht im Hotel. Dann heißt es quasi schon schlafen gehen, wir werden sehr früh abgeholt.
Die Abfahrtszeit wurde, von zuerst halb drei Uhr nachts, schrittweise vorverlegt auf halb zwei und am Ende ist der Fahrer schon Viertel nach eins da. Das Auto ist sehr neu, ein Elektroauto (hätte ich hier in Anbetracht des instabilen Stromnetzes gar nicht erwartet). Leider fährt noch eine andere Person mit, sodass wir uns zu dritt auf die schmale Rückbank qetschen müssen. Um diese Uhrzeit ist naturgemäß wenig Verkehr, aber unser Fahrer drängelt rücksichtslos, wenn gelegentlich andere Fahrzeuge auftauchen. Die Straße führt immer schmaler und kurviger den Berg hinauf, der Asphalt ist längst verschwunden. Stellenweise gleicht der Anblick mehr Baugrube als Fahrbahn. Noch immer rast der Fahrer viel zu schnell durch die Schlaglöcher. Wir sind müde, durchgeschüttelt und heilfroh, als wir endlich ankommen – eine Stunde früher als vorgesehen. Das Flughafengelände ist noch verschlossen. Seit einiger Zeit fungiert Ramechhap als Abflughafen Richtung Lukla, weil man hier flexibler, als im weiter entfernten Kathmandu, auf Wetterumschwünge am Ziel reagieren kann. Als wir endlich eingecheckt sind, steigt meine Nervosität. Ich habe keine Flugangst, aber die Aussicht auf Landung auf dem angeblich gefährlichsten Flughafen der Welt lässt mich nicht ganz kalt. Alle schauen gespannt zu, wie die ersten drei Maschinen abheben. Dann sind wir dran. Knapp 15 Leute passen in die Twin Otter, es ist ziemlich eng und laut. Das ganze Tal hängt voll Nebel oder Smog, aber der Flug ist überraschend ruhig. Wer am richtigen Fenster sitzt, kann die schneebedeckten Himalaya-Gipfel schon sehen. Häuser tauchen neben uns auf, Sekunden später setzt das Flugzeug auf und fährt in einer schwungvollen Kurve vor das Flughafengebäude. Alles gut gegangen. Wir atmen erstmal durch, genießen den Blick über die berüchtigte Landebahn und die Berge dahinter. Nach dem Frühstück geht es endlich los: Elf Tage (oder mehr) zu Fuß durchs Gebirge, bis zum Everest Basecamp und wieder zurück.




Da unser Ziel im Sagarmatha Nationalpark liegt, müssen wir Permits für die Wanderung kaufen. Nach einer halben Stunden warten am Schalter (direkt hinter Lukla), hat sich die Schlange immer noch nicht verkürzt, deswegen beschließen wir weiter zu laufen. Angeblich kann man das in einem späteren Ort nachholen. Die Temperatur ist angenehm. Es geht moderat bergauf und bergab, an blühenden Rhododendren vorbei. Nur auf die Füße muss man achten, sonst stolpert man leicht auf den groben Steinblöcken, aus denen der Weg besteht. Religion scheint hier eine wichtige Rolle zu spielen, entlang des Weges befinden sich Chörten und Gebetsmühlen und unzählige Manisteine. Nach etwa einer Stunde laufen, erreichen wir die erste Hängebrücke (es gibt viele hier). Nach dem Mittagessen (es gibt eine erstaunlich große Auswahl an Gerichten) beginnt es zu regnen, wir suchen uns deswegen schon kurz vor Monjo eine Unterkunft für die Nacht. Die Teehäuser, wie sie hier genannt werden, vermieten einfache Doppelzimmer (teils mit Bad) für wenig Geld, dafür wird erwartet, dass man dort zu Abend isst. Die Zimmer in diesem hier sind hübsch, es riecht nach frischem Holz, aber wir sind die einzigen Gäste und die Stube ist nicht geheizt (wie es normalerweise der Fall ist), deshalb gehen wir früh ins Bett.








Der nächste Tag beginnt mit Sonnenschein und weiteren Hängebrücken. Nach einer knappen Stunde erreichen wir das Eingangstor zum Beyul Khumbu, eine Art heiliges, verstecktes Tal. Hier lebt die Volksgruppe der Sherpas. Es markiert gleichzeitig die Grenze des Nationalparks. Wir steigen eine Weile abwärts, bis wir neben dem Dhudh Kosi Fluss her laufen. Dann beginnt der anstrengende Teil der Etappe. Über Treppen und enge Kehren geht es steil bergauf. Zuerst bis zur markanten Hillary Bridge, von wo aus man einen ersten tollen Blick in Richtung unseres Ziels hat. Dann weiter zum Everst Viewpoint (ich hab ihn nicht sehen können). Auf dem letzten Stück bis Namche Bazaar verlassen mich die Kräfte, ich bin froh als wir ankommen. Wir laden unser Gepäck ab und gehen mittagessen. Danach quälen wir uns noch ein paar Meter weiter hoch zu einem kleinen Aussichtspunkt, man soll ja immer höher laufen, als man später schläft, um sich besser an die Höhenluft zu gewöhnen. Besonders gut geht es uns heute allen nicht (Kopfschmerzen). Die 3400m machen sich schon bemerkbar.






Am Morgen ist die Sicht, wie immer, viel klarer als am Nachmittag. Für heute ist nur ein Tagesausflug geplant. 400m oberhalb der Stadt liegt das Hotel Everest View, dorthin laufen wir und genießen von der Terrasse aus das Bergpanorama. Jetzt ist der Mount Everest bzw. seine Spitze auch wirklich deutlich erkennbar. Außerdem sieht man die markant geformte Ama Dablam, deren Anblick uns noch mehrere Tage begleiten wird. In dem kleinen Dorf Khumjung bestellen wir Masala Tee und Kuchen, bevor wir den Rückweg antreten. Dabei kommen wir an einem alten Flughafen vorbei, der wohl zu gefährlich für regulären Betrieb ist.






In Namche Bazaar kann man alles an Wanderausrüstung kaufen, was man womöglich in Kathmandu vergessen hat. Da eine Kälteeinbruch voraus gesagt ist, machen wir von dieser Möglichkeit gebrauch. Wenn es allen gut geht, werden wir morgen weiter aufsteigen.