09.04.23-12.04.23
Wir warten einige Zeit in der Bahnhofshalle von Hue. Erst kurz bevor der Zug einfährt, dürfen wir zum Gleis (einen erhöhten Bahnsteig gibt es nicht). Die Wagenreihungsmarkierungen stimmen nicht ganz, alle laufen hektisch am Zug entlang. Es ist aber genug Zeit das Abteil zu finden. Wir haben die beliebten unteren Betten in einer Viererkabine ergattert. Am Ende haben wir sie sogar ganz für uns alleine, es steigt niemand mehr zu. Die Ausstattung ist simpel und funktional. Wir haben vergessen Snacks mitzubringen, deswegen bleibt uns nichts anderes übrig, als bei einem der zweifelhaften Essenswägen etwas zu kaufen (Reis mit Spiegelei und Gemüse). Eine Stunde lang sehen wir der, vor dem Fenster vorbei ziehenden, Landschaft zu, dann ist es zu dunkel um noch etwas zu erkennen. Obwohl keine schnarchenden, fremden Menschen im Raum sind, können wir beide nicht besonders gut schlafen. Der Zug fährt langsam (max. 60km/h), trotzdem wackelt es ganz schön. Um kurz vor 6 Uhr morgens erreichen wir den Bahnhof von Hanoi.



Nach einem Kaffee, einer Shoppingtour und dem Mittagessen, können wir endlich in unser Zimmer. Dort bleiben wir auch den restlichen Tag. Irgendwie sind wir zu erschöpft, um heute noch viel herum zu laufen. Der Verkehr und der Smog laden ohnehin nicht gerade dazu ein.
Dann steht wieder eine Free Walking Tour an, eine mit klassischem Sightseeing dieses Mal. Den Auftakt macht die rote Brücke, die zum Ngoc Son Tempel auf einer Insel im Ho Hoan Kiem See führt. Die Legende besagt, dass hier eine Schildkröte ein heiliges Schwert zurück auf den Grund des Sees gebracht hat. Tatsächlich sind neben dem Tempel zwei ausgestopfte, riesige Schildkröten zu sehen, die früher im See gelebt haben. In der Beer Street ist jetzt, am Vormittag, noch nichts los. Nur Straßenhändler laufen vor den geschlossenen Kneipen herum. Der Guide führt uns lange kreuz und quer durch die Straßen um die Markthalle (für Stoffe und Kleider). Die bunten Obst- und Gemüsestände sind hübsch anzusehen, die ungekühlten Fleischauslagen weniger. Als nächstes geht es zur Long Bien Brücke, deren rostige Eisenkonstruktion seit ewigen Zeiten den Roten Fluss überspannt. Zum Abschluss geht es in ein Café, wo wir Egg Coffee probieren können (eine vietnamesische Spezialität). Dann ist die dreistündige Führung vorbei. Kaum zu glauben, so viel haben wir gar nicht gesehen, es war eher ein langer Spaziergang. Weiterempfehlen würde ich diese Tour nur jemandem, der gerade erst in Vietnam angekommen ist.








Am Nachmittag schaue ich mir auf eigene Faust noch einen hübschen Tempel und das Französiche Viertel an. Die Straßen hier sind breit (mit Ampeln) und die Gehwege nicht so zugeparkt. Schöne Kolonialgebäude gibt es aber nur vereinzelt. Am besten gefällt mir der Rückweg an der Ostseite des Sees entlang. Hier gibt es einen Fußgängerweg direkt neben den Bäumen am Wasser. Eigentlich wollte ich noch die Kathedrale besichtigen, aber sie ist leider verschlossen (trotzdem auch von außen beeindruckend). Eine sehr bekannte Attraktion in Hanoi ist die Train Street. Die ist aber seit kurzem für Touristen nur noch sehr eingeschränkt zugänglich, es bleibt bei einem kurzen Blick durchs Absperrgitter.






Auf den heutigen Tag freue ich mich schon lange. Wir haben einen Tagesausflug zur berühmten Halong Bay gebucht (die hoch gelobten Zwei-Tages-Touren waren ein bisschen zu teuer). Nachdem ein ganzer Bus voll Touristen eingesammelt ist, fahren wir über den Highway nach Osten zur Küste. Dort „dürfen“ wir eine Perlenfarm (und natürlich den zugehörigen Shop) besuchen. Zwanzig andere Reisebusse sind auch schon da. Der Prozess, wie die Perlenrohlinge in die Austern eingepflanzt werden, ist eigentlich interessant, aber die Angestellten reden so schnell und ich bin noch zu müde, um mich aufs Zuhören zu konzentrieren. Zum Glück erreichen wir ein paar Minuten später den Hafen, gehen auf das Schiff und fahren raus in die Bucht. Ha Long bedeutet übrigens „absteigender Drache“ (denn der Drache war angeblich für die Entstehung der Inseln verantwortlich). Wie schon die letzten Tage, ist es sehr nebelig und es nieselt. Unser Guide stellt uns auch gleich mal darauf ein, dass wir heute keinen Sonnenuntergang sehen werden. Ich hatte schon Angst, dass wir auch keine Felsinseln sehen werden (für die wir ja hier sind), aber das bestätigt sich zum Glück nicht. Entgegen den bekannten Postkartenansichten, erscheint das Wasser aber nur von Nahem grün und in der Ferne blaugrau. Auch die nebelverhangenen Inseln sind grau. Es ist erstaunlich still hier. Die ganze Atmosphäre hat etwas mystisches. Himmel und Wasser verschwimmen, die Schiffe scheinen zu schweben.



Der erste Stopp ist Titop Island. Hier gibt es einen Strand und eine Aussichtsplattform auf der Spitze. Nach zehn Minuten Treppensteigen kommen wir verschwitzt oben an. Die Aussicht ist toll. Bei gutem Wetter wäre sie wahrscheinlich umwerfend. Dann fahren wir zur Hang Luon Höhle. Eigentlich ist es ein Tunnel im Fels, durch den man (mit Boot oder Kajak) in eine Lagune fahren kann. Die dicht bewachsenen Felswände ragen fast senkrecht rund um uns herum auf. Zuletzt halten wir noch an der Surprise Cave (Hang Sung Sot) an. Ich bin skeptisch, sie soll komplett überlaufen sein. Durch zwei kleine Räume voller Stalaktiten drängen sich die Touristengruppen. Dann gehen wir in die dritte Kammer der Höhle und hier wird man tatäschlich überrascht. Sie ist gigantisch (breit, hoch und vor allem lang). Obwohl die Felsformationen alle hübsch beleuchtet sind, kann man vom hintersten Teil nicht bis zum Ausgang sehen. Alle paar Meter ändert sich die Perspektive und wird noch beeindruckender. Aufgrund der Größe verteilen sich die Leute ganz gut. Die Kritik war also nicht ganz berechtigt. Obwohl die Sonne nicht sichtbar ist, merkt man, dass sie bald untergehen wird. Wir genießen die Rückfahrt ganz entspannt auf dem oberen Deck.









Auch den letzten Tag in Hanoi verbringen wir fast nur zuhause. Die Zeit verfliegt. Fürs Abendessen haben wir uns nochmal mit Patricks Freunden verabredet, die auch morgen abreisen werden. Es ist ein schöner Abschluss für unsere Zeit in Vietnam. Das Essen werde ich definitiv vermissen, der Verkehr hat uns leider ziemlich abgeschreckt. Wenn wir nochmal hier wären, würden wir deswegen weniger Zeit in den Städten und mehr in der Natur verbringen, denn die Landschaften Vietnams sind wirklich beeindruckend.