04.04.23-08.04.23
Wir fliegen nach Da Nang, das direkt neben unserem Ziel Hoi An liegt. Der Eindruck ist positiv, noch bevor wir viel gesehen haben. Das Städtchen hat eine überschaubare Größe und ein akzeptables Verkehrsaufkommen. Zu Fuß laufen wir ins Zentrum. Die historische Altstadt ist Weltkulturerbe. Eine kleine Eintrittsgebühr dient dem Erhalt und ermöglicht Zutritt zu fünf Gebäuden, wahlweise Tempel, Handelhäuser oder Assembly Halls. Zuerst gehen wir aber mittagessen. Das Gericht Cao Lau ist nur in dieser Stadt erhältlich, typisch vietnamesisch (Bandnudeln, Schweinefleisch, jede Menge frische Kräuter) und schmeckt uns ziemlich gut.
Das erste Ticket verwenden wir für die Phuoc Kien Assembly Hall. Uns erwartet ein rosa Tor mit vielen Verzierungen und dahinter ein Tempel, in dem die größten Räucherstäbchen hängen, die ich je gesehen habe. Als nächstes besuchen wir die Tran Familiy Chapel. Wir sind gerade die einzigen Besucher und bekommen eine kurze Führung mit Infos über die Familienmitglieder, derer hier gedacht wird, und über die Bedeutung der architektonischen Details. Die dritte Station ist das Old House of Tan Ky. Hier sind deutlich mehr Touristen, das Gebäude an sich ist relativ klein. Aber auch hier bekommen wir eine kurze Führung. Die Beschreibungen zur Architektur ähneln dem, was wir gerade schon gehört haben. Zwei andere Dinge beeindrucken: Hoi An wird jährlich im Herbst (Regenzeit) überschwemmt. An der Wand sind Markierungen, die den Wasserstand aus besonders schlimmen Jahren zeigen. Bis unter die Decke des Hauptraums stand das Wasser teils, aber die alten Holzbalken sind robust, man sieht ihnen keine Schäden an. Das Zweite, was sehenswert ist, sind die Intarsienarbeiten aus Perlmutt, die Möbel und Säulen schmücken. Sie sind sehr filigran, der Künstler war wirklich begabt.
Wir laufen weiter Richtung Westen zur Hauptattraktion bzw. dem Wahrzeichen der Stadt. Die Japanese Covered Bridge schwingt sich über einen Seitenarm des Flusses und schafft eine hübsche Verbindung zwischen den alten Häuschen links und rechts davon. Eigentlich. Gerade ist Baustelle (vermutlich Sanierungsarbeiten) und die Brücke hinter einem unschönen Bauzaun versteckt. Nur das Dach ist noch zu sehen. Wir sind ein bisschen enttäuscht. Zuletzt sehen wir uns noch das Old House of Phung Hung an. Es befindet sich gleich neben der Brücke. Die dunklen Holzwände ähneln den vorherigen, aber ohne die Perlmuttverzierungen. Dafür ist dieses Gebäude zweistöckig mit Balkon, von dem aus man auf die Straße blicken kann. Es ist hoffnungslos überlaufen. Wir müssen mehrere Minuten warten bis genug Menschen aus dem oberen Stockwerk herunter gekommen sind, um die Treppe überhaupt betreten zu können.






Mittlerweile steht die Sonne so tief, dass alles in ein warmes Licht getaucht ist. Die ersten der vielen Lampions an den Gebäuden beginnen zu leuchten. Das lockt natürlich die Besucher aus ihren klimatisierten Hotels. Überall werden Selfies gemacht. Bis Sonnenuntergang sind die Straßen so mit Leuten gefüllt, dass man sich ständig auf die Füße tritt. Ich habe lange nicht mehr so viele Touristen gesehen. Es ist anstrengend. Aber es ist auch schön, weil die Stadt so wunderschön ist, dass der Anblick den Stress sofort wett macht. Wir laufen über den Nachtmarkt auf der vorgelagerten Insel und beobachten die beleuchteten Ruderboote und schwimmenden Kerzen auf dem Fluss.






Am nächsten Tag wollen wir eine Attraktion außerhalb der Stadt besuchen. Mit den uralten Fahrrädern aus dem Hotel fahren wir nach Osten zum Wasserkokosnusspalmenwald. Dort lassen wir uns in einem der bunten, runden Bambusboote durch den kleinen Kanal rudern. Der Fahrer spricht kein Englisch, erklärt uns aber in Zeichensprache, wo wir unbedingt Fotos machen sollen. Da die Boote komplett symetrisch sind, kann man sie mit der richtigen Technik ziemlich schnell im Kreis drehen. So schnell, dass mir richtig schwindelig wird. Wir sehen auch einen Fischer, der sein traditionelles Netz auswirft. Das ganze Erlebnis ist natürlich auf die Touristen zugeschnitten. Am kommerziellsten sind aber die koreanischen Reisegruppen, die, zur nervig lauten Musik aus gigantischen Boxen, eine Party auf dem Wasser feiern. Dann fahren wir mit dem Rad weiter zum Strand. Überraschenderweise ist kaum was los. Das Wasser ist kühl. Die riesige Bauruine eines unfertigen Luxushotels bietet einen etwas deplatzierten Anblick. Zum Abschluss unseres Ausflugs machen wir eine Kaffeepause mitten im Reisfeld, Klischee pur.








Für den Abend haben wir eine Free Walking Food Tour gebucht. Der Vorteil gegenüber einer klassischen Food Tour ist der Preis. Außer dem Trinkgeld für den Guide, bezahlt man nur, was man tatsächlich gegessen hat, keinen Fixbetrag. Obwohl wir zehn Teilnehmer sind, ist die Atmosphäre erstaunlich familiär, unser Guide merkt sich alle Vornamen. Wir probieren den Klassisiker Banh Mi und meinen neuen Favoriten, Frühlingsrollen mit BBQ Fleisch und Kräutern. Außerdem einen traditionellen, schwarzen Sesambrei, das bereits erwähnte Cao Lau (oder alternativ das ähnliche Mi Quang) und Dragontail Tee. Wir erfahren auch viel über die Stadt und vietnamesiche Sitten. Eine gute Tour, aber wir hätten uns beide noch mehr verschiedene Gerichte erhofft.





Von unseren Eintrittskarten sind noch zwei übrig, die ich für eine Museum (Porzellan, Kriegsrelikte, antike Urnen) und die Trieu Chau Assembly Hall (tolle Holzschnitzereien) verwende. Am letzten Abend in der Stadt besuchen wir ein Café mit Dachterrasse. Dann laufen wir einfach nochmal die kleinen Straßen entlang, an unzähligen Souvenirläden (haupsächlich Kleidung) und Marktständen vorbei. Die ockergelben Häuschen mit ihren dunklen Holzbalkonen haben genau den Grad an Baufälligkeit, der sie charmant wirken lässt. Die bunten Lampions und die Kletterpflanzen verstärken diesen Eindruck noch. Ein magischer Anblick.






Mit dem Bus fahren wir weiter nach Hue. Hier nutzen wir unseren einzigen Nachmittag, um die Zitadelle anzuschauen. Anfang des 19. Jahrhunderts wurde Hue unter den damaligen Nguyen Herrschern zur Hauptstadt Vietnams. In der Zitadelle lebte der König mit seiner Gefolgschaft. Hinter einem Wassergraben und einer ziemlich großen Mauer verbirgt sich die Imperial City mit mehreren Tempeln und anderen Gebäuden. Ganz im Inneren befinden sich der Palast und die Reste der Forbidden Purple City. Sie wurde, wie auch viele weitere Gebäude, im Krieg weitgehend zerstört. Die Anlage hat gigantische Ausmaße und die zwei Stunden Zeit, die wir haben, reichen nur für einen groben Eindruck. Wie es hier ursprünglich mal ausgesehen hat, ist nur zu erahnen. Zu viel ist verschwunden, verfallen oder von Gras überwachsen. Der Bonsaigarten und die restaurierten Tempel sind aber ganz hübsch.









Den nächsten Tag verbringen wir überwiegend in einem Café und entspannen bis zum Nachmittag. Dann laufen wir zum Bahnhof und warten auf den Nachtzug Richtung Hanoi.