Woche 25: Wo der Pfeffer wächst

20.03.23-25.03.23

Wir fahren Richtung Süden, in ein kleines Städtchen namens Kampot. Obwohl es nur 150km entfernt liegt, brauchen wir den ganzen Vormittag dafür. Nach dem Mittagessen machen wir uns auf den Weg, um die bescheidenen Sehenswürdigkeiten anzuschauen und bei einem Spaziergang die angeblich so schöne Atmospäre des Ortes aufzusaugen. Die namensgebenden Pflanzen am Lotus-Teich sind leider alle verblüht. Zu anderer Zeit ist die Wasserfläche bestimmt hübsch anzusehen, gerade eben ist der leicht vermüllte Anblick aber eher traurig. Danach machen wir bei einem Stück Kuchen bereits die erste Pause (es ist, wie immer, sehr heiß). Direkt am Flussufer entlang wollten wir quer durchs Stadtzentrum bis zu einer alten Eisenbahnbrücke laufen. Die ersten Meter, auf der nagelneuen Promenade, klappt das auch ganz gut. Bis zu dem Punkt, wo sie noch im Bau befindlich ist. Der Fluss verschwindet hinter einem hohen Bauzaun und wir müssen die Straßenseite wechseln. Der Gehweg dort ist aber asientypisch mit allen möglichen Verkaufsbuden zugestellt, man läuft also mehr auf der Straße. Zu allem Überfluss ist gerade Rushhour, das heißt es ist laut und stinkt nach Abgasen. Deswegen geben wir unseren Spaziergang recht schnell wieder auf. Stattdessen gehen wir einen Umweg zurück, der uns beim kuriosen Durian-Kreisel vorbei führt.

Die bei Touristen wahrscheinlich beliebteste Unternehmung in Kampot und die, auf die ich mich am meisten gefreut habe, ist der Ausflug zur Pfeffer-Plantage. Eine circa 40 minütige Tuktuk-Fahrt über unbefestigte Straßen führt uns, am „Secret Lake“ vorbei, direkt auf das Grundstück von „La Plantation“. Führungen sind kostenlos und beinhalten auch ein Pfeffertasting. Zuerst erfahren wir, dass die Plantage vor zehn Jahren von zwei Belgiern gegründet wurde, komplett ohne Pestizide arbeitet und sehr sozial angagiert ist (Arbeitsplätze für viele Einheimische, Bau einer Grundschule, Englischunterricht für Kinder aus dem Dorf). Die Pfefferpflanzen wachsen drei Jahre, bevor sie zum ersten Mal Ernte liefern. Der Klimawandel gefährdet den Anbau allerdings (die Niederschläge schwanken immer häufiger). Dann erklärt der Mitarbeiter, wann welche Farbe an Pfeffer geerntet wird (erst grün, dann dunkelgrün = schwarz, dann rot), wie scharf sie schmeckt und wie die Verarbeitung abläuft. Beim Tasting stelle ich fest, dass Pfeffer wirklich ein tolles Gewürz ist, wenn man die Aromen richtig wahrnimmt und nicht einfach nur die Schärfe. Auf der Rückfahrt schauen wir noch bei den Salzfeldern vorbei. Die sind allerdings nicht sehenswert. Bei dem vielen Müll der herum liegt, hoffe ich, dass das Salz nur für technische und nicht für Lebensmittelzwecke eingesetzt wird.

Für unser nächstes Ziel fahren wir erst zwei Stunden nach Sihanoukville. Die Fahrt in dem Minivan ist eine der unangenehmsten auf unserer bisherigen Reise. Sie ist zwar kurz, aber führt fast vollständig über ungeteerte Straßen. Wir werden ganz schön durchgeschüttelt. In Sihanoukville steigen wir dann auf die Fähre nach Koh Rong Samloem um. Das Boot legt auf der Insel nicht am (erwarteten) Pier in der Mitte des Strandes an, sondern ganz am Ende. Eigentlich nicht schlimm, nur gibt es weder Straßen noch Fußwege an dieser Stelle und mit Gepäck durch den Sand zu laufen ist ganz schön anstrengend. Wir haben mittlerweile schon viele tolle Strände gesehen, aber – wow – ich bin sprachlos. Klares, blaues Wasser, das flach und wellenlos vor uns liegt, wird gesäumt von weichem, weißen Sand. Aber das Beste ist die Ruhe. Es ist so still, es gibt so wenige Häuser und bevor wir unser Hostel erreichen, begegnen uns gerade mal eine Handvoll Menschen. Wir verbringen den restlichen Tag im Schatten mit Blick auf dieses kleine Paradies.

Einen kleinen Haken gibt es doch, stellen wir später fest. Hier leben Quallen. Lange möchte man also nicht im (ohnehin viel zu warmen) Wasser bleiben. Ich beobachte die beiden Hauptverkehrsmittel, die Touristen (oder ihr Gepäck) hin und her transportieren. Das wäre erstens das Taxiboot (Holzschale mit Außenbordmotor) und zweitens der fahrende Holzbalken (breites Holzbrett mit Traktorenmotor drangebaut). Letzterer sieht lustig aus, ist aber kompliziert zu fahren, denn es gibt kein Lenkrad, sondern nur eine Stange (die Motor samt Achse bewegt). Das heißt der Fahrer muss sich in engen Kurven einen ganzen Meter nach links oder rechts lehnen. Am Abend soll es eine Party im Hostel geben. Die Mitarbeiter sind schon den ganzen Tag mit dem Aufbau beschäftigt. Wir sind gespannt und am Ende ein bisschen enttäuscht. Irgendwie ist nichts los. Selbst die beworbenen Gratis-Shots erreichen nur eine paar wenige Leute. Wir verbringen den Abend mit den diversen Geschicklichkeitsspielen, die herumstehen. Es gibt auch zwei Billardtische. Sie sind ziemlich uneben und trotzdem meistens belegt.

Auch den letzten Tag verbringen wir faul am Strand bzw. auf den schwimmenden Isomatten. Erst zum Sonnenuntergang laufen wir auf die andere Seite der Insel. Wir hatten einen kleinen Trampelpfad durch den Dschungel erwartet. Den gibt es auch noch, nur macht es mittlerweile mehr Sinn entlang der riesigen Schneise zu laufen, die durch den Wald geschlagen wurde. Offensichtlich entsteht hier eine breite Straße. Mit der Idylle und der Ruhe auf der Insel dürfte es bald vorbei sein. Umso schöner, dass wir das Abendrot noch ganz allein genießen können, mit einem kühlen Getränk auf einem wackligen Pier.

Dann müssen wir uns schon wieder verabschieden, von diesem wunderschönen Ort. Es geht zurück zur Fähre (mit dem Taxiboot) und dann im Minivan von Sihanoukville wieder in die Hauptstadt (über die wohl beste Straße des Landes, vierspurig und mautpflichtig). Unsere Unterkunft in Phnom Penh liegt in einer weniger touristischen Straße als beim letzten Besuch. Alle Läden in der Nachbarschaft verkaufen handgefertigte religiöse Artefakte. Unser Programm für heute besteht nur aus Wäschewaschen. Während wir warten bis alles fertig ist, gehen wir noch Kaffeetrinken. Patrick hat etwas Besonderes rausgesucht: Ein Katzen-Café. In einem relativ kleinen Raum, voller Kratzbäume und Trittstufen an der Wand, springen zehn bis fünfzehn Katzen umher. Eigentlich springen nur ein paar, die meisten schlafen (natürlich). Es gibt viele Perserkatzen und viele ziemlich dicke rote Hauskatzen, aber es sind auch ein paar ungewöhnliche Züchtungen dabei. Ich bin anfangs sehr skeptisch wegen meiner Allergie, aber verrückterweise muss ich in der ganzen Stunde dort nicht einmal niesen.

Viele Besucher kommen wohl nur nach Kambodscha, um die Tempel anzuschauen. Aber das Land hat durchaus noch andere hübsche Orte zu bieten. Es lohnt sich also ein paar zusätzliche Tage hier zu bleiben. Nur der seltsame Währungsmix aus US-Dollar und Riel ist gewöhnungsbedürftig. Morgen geht es weiter ins Nachbarland Vietnam.

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