18.03.23-19.03.23
Die bereits bewährte Busgesellschaft nutzen wir auch für die nächste Etappe. Es gibt eine Mittagspause an einem kleinen See, ansonsten ist die Fahrt unspektakulär. Auf den letzten Metern ins Zentrum von Phnom Penh wird der Verkehr dichter. Unser Hostel in der Hauptstadt liegt recht zentral und hat einen Pool mit Blick auf den Fluss. Dort verbringen wir den Rest dieses Nachmittags. Nach Sonnenuntergang laufen wir ein Stück die, erstaulich bunt beleuchtete, Promenade am Wasser entlang. Dann schlendern wir noch kurz über den Nachtmarkt. Die Schuhe und Uhren, die dort verkauft werden, reizen uns nicht wirklich. Die einzige Besonderheit ist der „Picknickbereich“. Dort sitzen Einheimische und Touristen gleichermaßen auf Matten auf dem Boden und lassen sich Essen von den angrenzenden Ständen servieren. Wir lassen den Abend bei einem Cocktail in der Rooftop-Bar, neben dem Pool, ausklingen.





Der nächste Vormittag steht im Zeichen der traurigen, jüngeren Geschichte Kambodschas. In den siebziger Jahren starben unter der Herrschaft der kommunistischen Khmer Rouge bis zu 3 Millionen Menschen im Land (circa ein Drittel der Bevölkerung). Viele verhungerten und viele vermeintliche Feinde wurden gefoltert und ermordet. An den einstigen Schauplätzen befinden sich heute Museen und Gedenkstätten.
Wir fahren zuerst einige Kilometer aus der Stadt heraus zum Choeung Ek Gedenkzentrum, einem der einstigen Killing Fields. Hierher wurden Gefangene gebracht, um sie zu töten und in Massengräbern zu beerdigen. Es gibt im ganzen Land um die dreihundert solcher Gräber, wenn auch nicht alle so groß sind. Die Überreste von mehr als achttausend Menschen wurden hier geborgen, tausende weitere werden noch in der Erde vermutet. Am Eingang erhält man einen Audioguide, der von den politischen Hintergründen erzählt, aber auch Details der grausamen Tötungen und persönliche Schicksale Überlebender beschreibt. Es herrscht eine seltsame Atmosphäre. Die grüne Wiese und die blühenden Bäume vermitteln einen friedlichen Eindruck. Aber die unglaubliche Hitze und die furchtbaren Geschichten lassen alles irgendwie bizarr wirken. Dass man auf dem Boden Kleidungsfetzen sieht, die der Regen auch nach dieser langen Zeit immer noch freilegt, macht es noch unangenehmer. Der Besuch endet mit der Besichtigung des Gedenktstupa, in dem die gefundenen Knochen aufbewahrt werden.



Zurück in der Stadt, sehen wir uns das Tuol Sleng Museum an, früher als Gefängnis S-21 bekannt. Die vier Gebäude einer ehemaligen Schule sind um einen hübschen, grünen Innenhof gruppiert. Dort hat man die Opfer begraben, die bei der Befreiung des Gefängnisses gefunden wurden. Die Klassenräume wurden in winzige Gefängniszellen aufgeteilt, manche auch in Folterkammern umgewandelt. Fast alles wurde im Originalzustand belassen, auch der Stacheldraht um das Gelände ist noch vorhanden. Zu sehen sind Zeichnungen von Foltermethoden und Fotos der eingewiesenen Häftlinge. Tausende wurden hier gefangen gehalten, überlebt haben weniger als zehn. Auch hier gibt es einen Audioguide. Die Erzählungen sind schwer zu ertragen. Sie werden mich noch eine ganze Weile verfolgen.



Am Nachmittag soll etwas Erfreulicheres unsere düsteren Gedanken vertreiben: Der Palast des Königs. Am Eingang beschließt Patrick nicht mit rein zu gehen, weil Maskenpflicht besteht (außer dem Tempel ist fast alles unter freiem Himmel, die Maßnahme ist also ein bisschen übervorsichtig). Der Rundweg führt am Haupteingangstor des Geländes vorbei (nur der König selbst darf durchgehen), an einer hübschen Tanzhalle und dem Thronsaal (betreten verboten, Fotos von innen auch). Dann führt er in den Hof mit der berühmten Silberpagode (der Fußboden besteht aus silbernen Fliesen) und ihrem Emerald Buddha. Darum herum gruppiert sind mehrere Stupas als Begräbnisort von Mitgliedern der königlichen Familie. Umschlossen wir der Hof von einer Gallerie mit einem gigantischen Wandgemälde. Leider ist es an vielen Stellen durch Wasser beschädigt worden.





Direkt auf Höhe des Palastes mündet der Tonle Sap Fluss in den Mekong. Von hier aus laufe ich zurück. Die bereits erwähnte Promenade ist um diese Uhrzeit voller Stadtbewohner, die Snacks verkaufen. Morgen werden wir mal wieder Bus fahren. Es geht in den Süden des Landes.


