Woche 24: Die Tempel von Angkor

15.03.23-17.03.23

Wir fahren mit dem Bus über die Grenze nach Kambodscha. Die Busgesellschaft verspricht, die Formalitäten für die Passagiere zu vereinfachen. Es funktioniert wirklich alles reibungslos. Wir müssen kaum warten und kommen sogar 30 Minuten früher in Siem Reap an. Erwartungsgemäß möchte unser Tuktuk-Fahrer uns nicht nur zum Hotel bringen, sondern auch die Tempelrundfahrt für morgen verkaufen. Er wirkt sympathisch, deswegen stimmen wir zu. Wie schon in Bangkok, ist es auch hier unglaublich heiß. Nach fünf Minuten Rucksacktragen sind wir schweißgebadet. Zum Glück hat unser Hotel einen Pool. Wir entspannen erstmal eine Stunde. Am Abend laufen wir ins touristische Zentrum, das ganz in der Nähe liegt. In der PubStreet gibt es Neonbeleuchtung und günstiges Bier, darum herum jede Menge Souvenirs. Wir essen in einer Nebenstraße und trinken Happy Hour Cocktails.

Am ersten vollen Tag in Kambodscha, sehen wir uns an, was die meisten Touristen ins Land und diese Stadt bringt: Die fast tausend Jahre alten Tempel von Angkor. Um 4:40 Uhr verlassen wir das Hotel, unser Fahrer wartet schon. Circa 15 Minuten fahren wir durch die kühle Nacht und laufen zum Teich vor Angkor Wat. Das ist der beliebteste Platz, um den Sonnenaufgang zu anzuschauen. Die Türme des Tempel werden erst schemenhaft, dann immer deutlicher sichtbar und spiegeln sich im Wasser. Heute ist der Himmel aber leider nicht sehr farbig. Die hohen Erwartungen, die ich nach den ganzen Beschreibungen im Vorfeld hatte, haben sich nicht ganz erfüllt. Länger schlafen wäre vielleicht die bessere Option gewesen. Einen Vorteil hat es aber: Wir sind unter den Ersten, die auf den Turm steigen dürfen. Von hier aus sieht die Sonne beeindruckender aus. Der Blick auf den Tempelkomplex ist toll, erst von hier oben erkennt man die Symmetrie und die Ausmaße der Bauwerke. Anders als die meisten Besucher schauen wir uns die Gallerien von innen nach außen an (weil wir ja jetzt eh schon in der Mitte sind). Die Innerste liegt am höchsten. Die verwitterten Steinstufen sind mit Holztreppen überbaut und führen steil hinunter in die zweite und dritte Gallerie. Die Wände sind in unterschiedlichem Ausmaß von Apsara(Tänzerinnen)-Reliefs bedeckt. Die dritte Gallerie ist besonders beeindruckend. Auf mehreren hundert Metern Länge erzählt ein durchgängiges Relief das Ramayana (hinduistisches Epos). An dieser Stelle wären die Erklärungen eines Guides sicher hilfreich. Allerdings würde man sich dann auch Stunden hier aufhalten.

So langsam wird es warm. Wir fahren weiter zum Banteay Kdei. Dieser Tempel (bzw. eigentlich ein Kloster) ist weit weniger touristisch, wir haben ihn fast für uns allein. Im Gegensatz zu Angkor Wat ist er flach, also keine steilen Treppen, dafür unzählige Türschwellen. Die geringere Beliebtheit liegt sicherlich teils im Zerfall begründet. Viele Durchgänge sind mit Stahlträgern abgestütz, die Türme notdürftig mit Seilen umwickelt. Es gibt weniger Reliefs und viele davon sind beschädigt. Trotzdem gefällt es mir hier. Weil es so friedlich ist. Die Ruhe wertet unseren Besuch wirklich auf. Direkt gegenüber des Tempels (und ursprünglich mit einer Straße verbunden) liegt Sras Srang. Ein großer, künstlicher See, der von niedrigen Mauern eingefasst wird. Von einer Plattform am Ufer hat man einen schönen Blick über das Wasser.

Es folgt eine der Hauptattraktionen: Ta Prohm, bliebt vor allem bei Instagrammern, wegen seiner von Baumwurzeln überwucherten Mauern. Einige Teile des Tempels wurden aufwendig saniert, an anderer Stelle liegen große Steinblöcke noch wild durcheinander. Die verwinkelten Gänge und der Dschungel, der seinen Platz hier zurückerobert hat, machen den Anblick wirklich einmalig. Aber auch hier wird man zwangsläufig ein bisschen enttäuscht, nach all den lobenden Reiseführereinträgen. Die Stellen mit den beeindruckensten Wurzeln wurden mit hässlichen Holzplattformen erschlossen. Die grelle Mittagssonne erscheint als Gegenlicht und natürlich sind sehr viele Reisegruppen unterwegs. Die Atmosphäre ist stellenweise also eher gehetzt als romantisch. Für die kurzen menschenleeren Augenblick hat es sich trotzdem gelohnt, dann ist ein bisschen von dem versprochenen Zauber spürbar.

Letzte Station für heute ist Ka Teo. Dieser Tempel wurde nie fertiggestellt und hat kaum Reliefs oder Verzierungen. Dafür kann man die sehr steilen Stufen bis ganz nach oben steigen und den Dschungel überblicken. Wie in allen Gebäuden bisher, riecht es auch hier teilweise sehr unangenehm. Aber ich habe rausgefunden warum: In den vielen Türmen, die quasi alle Angkor-Tempel schmücken, leben Fledermäuse. Mittlerweile ist es Mittag und wieder super heiß. Für heute haben wir genug Tempel gesehen. Wir lassen uns zurück in die Stadt fahren und entspannen am Nachmittag.

Für Tag zwei haben wir uns Angkor Thom, die letzte der drei großen Sehenswürdigkeiten in Angkor, aufgehoben. Und wir sind motiviert es ganz auf eigene Faust zu erkunden. Nachdem wir gestern gesehen haben, dass die Straßen hier in gutem Zustand sind (manche sogar mit Seitenstreifen) und der Verkehr moderat, mieten wir uns Fahrräder. Es fährt sich gut und wir sind schneller am ersten Ziel als gedacht. Natürlich sind wir aber schon jetzt nassgeschwitzt (dass Frauen überall lange Hosen tragen müssen, macht es nicht besser). Durch das südliche Tor in der Stadtmauer betreten wir die riesige Anlage. Einen knappen Kilometer weiter, direkt im Zentrum der alten Stadt, steht der Bayon Tempel. Was von Weitem wie ein unförmiger Felshügel aussieht, sind tatsächlich die vielen Türme. Die Besonderheit, die das ganze Gebäude von den anderen hier unterscheidet (und berühmt gemacht hat), sind die unzähligen großen Gesichter, die von allen Turmseiten herunter lächeln. Die Experten scheinen sich nicht einig zu sein, wen oder was sie genau darstellen sollen. Im Inneren erwartet uns das übliche Gewirr aus Gängen und Kammern mit zu hohen Türschwellen. Auch hier gibt es umlaufende Reliefs. Leider kann man aktuell nicht auf die obere Ebene hochsteigen. Dort wäre man den Gesichtertürmen beeindruckend nahe. Trotzdem gefällt mir dieser Tempel wirklich gut.

Wir fahren ein Stück weiter zum zweiten großen Tempel in der Stadt. Der Baphuon wurde vor Jahrzehnten komplett abgetragen und später wieder zusammen gesetzt. Da die zugehörigen Aufzeichnungen in der Zwischenzeit zerstört wurden, entspricht das Ergebnis womöglich nicht mehr ganz dem Original. Auf jeden Fall liegen noch viele übrige Steinblöcke auf der angrenzenden Wiese. Fehlende Originalteile wurden recht offensichtlich mit Beton ersetzt. Der Baphuon ist sicher nicht der hübscheste Tempel hier, aber er hat definitiv eine einzigartige Geschichte.

Innerhalb von Angkor Thom gibt es noch eine ganze Reihe weiterer (kleinerer) Bauwerke. Den Phimeanakas und die Terrace of the Elephants sehen wir uns von Nahem an. Dann verlassen wir die Stadt durch das Nordtor und überqueren den wassergefüllten Graben. Der Preah Khan Tempel ist der Letzte, den wir heute besuchen. Er ähnelt stark dem Banteay Kdei und dem Ta Prohm. Verwinkelte Mauern und Gänge, vieles eingestürzt oder von Bäumen überwachsen. Nach all den Bauwerken, die wir in den zwei Tagen gesehen haben, weiß man ihn fast nicht mehr zu schätzen. Zwei Details finde ich aber interessant: Die vielen Garuda-Figuren an der Begrenzungsmauer, die irgendwo durch den Dschungel verläuft. Und die kleinen Stelen entlang des Wegrands, in die einmal Buddhafiguren graviert waren. Jetzt zeigen sie nur noch leere Mulden, die Figuren wurden entfernt, als der Hinduismus den Buddhismus abgelöst hat. Auf der Rückfahrt beeilen wir uns und sind pünktlich zum Mittagessen wieder in der Stadt.

Am letzten Abend in Siem Reap besuchen wir die kleinen Essensstände, die am Fluss entlang aufgebaut sind. Es gibt typische Khmer-Gerichte, wie Suppen und Stirfrys, aber lustigerweise auch Pizza. Außerdem haben sich mehrere Touristen um den Tisch mit den Insektenspießen versammelt. Nicht alle trauen sich zu probieren. Ich kann mich am Ende doch dazu überwinden. Frittierte Heuschrecken schmecken gar nicht so schlecht, von Skorpion würde ich aber abraten.

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