Von Kansas City nach Denver fährt man einmal quer durch ganz Kansas (State), das sind knapp 700km! Wir nehmen uns dafür zwei Tage Zeit und übernachten dazwischen in Hays. Besonders viel zu unternehmen gibt es hier nicht. Jeder Abstecher von der Interstate würde die Fahrt um mindestens eine weitere Stunde verlängern. Also begnügen wir uns mit der Aussicht auf die endlosen Weiten der Great Plains. An der Grenze nach Colorado betreten wir nicht nur den vierten Staat auf unserem Trip, sondern auch eine neue Zeitzone. Ich bin noch nie auf dem Landweg eine Stunde zurück gereist. Fühlt sich seltsam an.
Montag, 10.10.22 – Um Denver zu besichtigen bleibt nur ein Nachmittag, da wir uns mehr Zeit für Natur aufsparen wollen. Es gibt viele Museen, leider oft sehr teuer (bis zu 45$). Wir entscheiden uns für das Wings over the Rockies Air and Space Museum. Ausgestellt sind Raketenteilstücke und Helicopter, vor allem aber Militärflugzeuge (und auch zugehörige Atombomben). Viele Piloten kamen und kommen aus der Gegend, deshalb gibt es das Museum hier. Es ist beeindruckend, aber auch beklemmend zu wissen, dass diese Flugzeuge tatsächlich im Kriegsgebiet waren und Bomben, wie diese, reale Städte zerstört haben. Von der Stadt selbst bekommen wir nur wenig zu sehen (Union Station, Larimer Square, diverse Skulpturen). Zum Kapitol schaffen wir es leider nicht mehr. Hier könnte man sehen, woher die Stadt ihren Spitznamen „Mile High City“ hat: Die 15. Treppenstufe liegt genau 1609m (= 1 Meile) über dem Meeresspiegel.


Dienstag, 11.10.22 – Früh am nächsten Morgen fahren wir immer bergauf in den Rocky Mountains National Park. Auf 2800m beginnt der Sky Pond Trail. Am Wanderparkplatz begrüßt uns eisiger Wind. Auf guten Wegen geht es, weiter bergauf, zunächst durch herbstlich goldgelbe Espenwälder. Die werden bald von reinen Nadelwäldern abgelöst. Die halbe Umrundung des ersten Sees „The Loch“ ist weitestgehend eben. Der starke Wind peitscht das graue Wasser auf, hohes Gras leuchtet in der Sonne. Ein wunderschöner, irgendwie dramatischer Anlick. Dann wird es steiler. Meine noch nicht ganz abgeklungene Erkältung und die Höhe (unser Ziel liegt auf 3300m) setzen mir zu. Aus dem Lake of Glass fließt ein halb vereister Wasserfall. Mehrere Familien mit Kindern pausieren hier und kehren um. Aus gutem Grund. Neben dem Wasserfall muss man über Felsen steil nach oben klettern. Es ist nicht ausgesetzt, aber vereist und sehr, sehr windig. Oben angekommen, suchen wir erstmal hier großen Felsen Schutz. Die Windböen rauben einem den Atem. Kaum zu glauben, dass an manchen Tagen das Wasser ruhig genug für eine perfekte Spiegelung der Berggipfel ist. Nach wenigen Minuten gehen wir wieder zurück und stellen erst viel später fest, dass der Sky Pond erst ein paar hundert Meter weiter gewesen wäre.





Mittwoch, 12.10.22 – Die Autoetappe nach Grand Junction ist definitiv die bisher schönste. Wir sehen grün-gelb gesprenkelte Bergflanken und schneebedeckte Viertausender, als wir die Rocky Mountains überqueren. Die Kulisse passt wunderbar zum Blau des Dillon Reservoirs, wo Patrick seine Drohne testet. Dann wird die Landschaft karger, aber nicht weniger beeindruckend. Die Straße führt direkt an den gigantischen Felswänden des Glenwood Canyon entlang. Am Nachmittag entspannen wir für eine Weile im Thermalbad von Glenwood Springs. Später, in der Abendsonne tauchen schließlich die ersten roten Felsen aus der Wüste auf.





Donnerstag, 13.10.22 – Der Canyonlands National Park ist riesig. Er ist in mehrere Bereiche aufgeteilt, am besten zu erreichen ist Islands in the Sky. Es gibt diverse längere und kürzere Wanderwege. Wir bleiben bei den kürzeren, genießen den Ausblick über Upheaval und White Rim. Die Landschaft ist so weitläufig und zerklüftet, dass man nicht sehen kann wo Colorado River und Green River unten zwischen den Gesteinsschichten verlaufen. Dass für eine Fahrt mit dem Allradfahrzeug am White Rim entlang (eine Art Plateau aus festerem Gestein zwischen Canyonboden und dem oberen Rand) zwei Tage angesetzt sind, lässt die Dimensionen erahnen. Auf dem Rückweg gehen wir noch den kleinen Abstecher zum Mesa Arch. Am besten gefallen hat mir aber der Buck Canyon Overlook.




Freitag, 14.10.22 – Im Vergleich ist der Arches National Park wesentlich übersichtlicher. Das bedeutet aber auch, dass sich die Menschenmassen nicht so gut verteilen und man früh da sein sollte, um überhaupt reingelassen zu werden. Angeblich ist der Parkplatz beim beliebten Devil´s Loop Trail sehr klein, sodass wir erst gar nicht hinfahren. Als wir den Rundweg Sanddune, Broken und Tapestry Arch starten, ist die Luft noch empfindlich kühl. Das ändert sich aber schnell. Mein Wow-Moment des Tages: Für ein paar Minuten haben wir den Tapestry Arch ganz für uns allein und ich stelle fest, dass in der Wüste absolute Stille herrschen kann. Kein Wind, kein Vogelgesang, kein Blätterrascheln, keine Gespräche und kein Autolärm. Als würde ein Film ohne Ton laufen oder man wäre plötzlich taub geworden. Eine banale aber beeindruckende Erfahrung. Das Highlight des Parks lassen wir uns aber dann doch nicht entgehen. Die etwa 40 minütige Wanderung zum Delicate Arch ist wunderschön. Es geht über eine Felsrampe und im Schatten einer hohen Wand entlang. Unterwegs sieht man Höhlen die in ein paar Jahrhunderten selbst zu Bögen werden könnten. Der Delicate Arch ragt beinahe surreal aus dem Rand eines Felskessels auf. Und es ist nicht mal besonders viel los. Keine Warteschlangen für das Foto.




Auf der Fahrt zu unserer heutigen Unterkunft kommen wir an immer neuen Felsformationen vorbei. In verschiedenen Farben, aber immer mit dem gut sichtbaren Schichtmuster, das durch Erosion freigelegt wurde. Ich kann mich gar nicht satt sehen.
Samstag, 15.10.22 – Als wir morgens zum Bryce Canyon aufbrechen, hat es nur knapp über Null Grad. Was tatsächlich ein Grund für die Entstehung der auffälligen Säulen (Hoodoos) ist. Feuchtigkeit im Gestein friert nachts ein, dehnt sich aus und sprengt kleine Stücke ab. So werden die Hoodoos aus der Abruchkante freigelegt und mit der Zeit immer kleiner. Der bekannte Navajo/Queens Garden Trail führt uns zwischen den Säulen hinab auf den Grund Canyons und in der Hitze auch wieder hinauf. Leider bin ich immer noch nicht 100% fit, also entscheiden wir uns gegen den hochgelobten Fairyland Loop und gehen stattdessen „nur“ den Rim Trail entlang zum Inspiration Point. Und der ist absolut empfehlenswert! Er liegt etwas höher und ermöglicht den Blick über das Ampitheater, wo die Hoodoos am dichtesten stehen. Außerdem ist weniger los als an den anderen Aussichtspunkten, die näher am Parkplatz liegen.




Auch heute beeindruckt mich die Autofahrt. Auf einer kaum befahrenen Straße geht es durch einen kleineren, breiten Canyon. Die Wüste links und rechts ist erstaunlich dicht bewachsen mit gelbblühenden Blumen. Direkt hinter unserem Hotel ragen die roten Felsen in den Himmel.
Sonntag, 16.10.22 – Und noch einer: Zion National Park. Er wurde uns wärmstens empfohlen und das mit Recht. Weniger zerklüftet, dafür umso grüner, bietet sich ein Anblick wie auf einem Gemälde. Am Vortag haben wir ein Permit für den Angels Landing Trail ergattert, gültig vor 9 Uhr. Das frühe Aufstehen hat sich aber gelohnt, beim Aufstieg herrschen noch angenehme Temperaturen. Die erste Stunde führt über breite Wege konstant bergauf zu einem schon recht beeindruckenden Aussichtspunkt, der noch für alle zugänglich ist. Erst danach beginnt der schmale Grat zum Hauptaussichtspunkt mit 360 Grad Ausblick. Obwohl es seitlich steil abricht, finde ich den Weg gut begehbar (gutes Wetter vorausgesetzt!). Er ist fast durchgehend mit Seilen versichert und Dank rauem Sandstein läuft man trittsicher. Zusätzlicher Spaßfaktor: Die frechen Chipmunks. Weil es noch recht früh ist, gehen wir auch noch den Wanderweg zu den Narrows. Der Stelle, wo sich der Virgin River besonders schmal in den Fels geschnitten hat. Der Weg endet aber nach ein paar hundert Metern, man kann nur durchs Wasser watend zur schmalsten Stelle gelangen. Wir haben uns nicht wie viel andere am Parkeingang wasserfeste Schuhe ausgeliehen, deswegen drehen wir hier wieder um. Funfact: Es gibt im Canyon eine Stelle, an der soviel Wasser aus dem Fels läuft, dass direkt neben den Kakteen auch Sumpfgras wächst.



