06.02.23-11.02.23
Die Woche startet mit dem neuseeländischen Nationalfeiertag Waitangi Day. Falls es in Queenstown irgendwelche Feierlichkeiten gibt, sehen wir sie nicht, denn heute stimmen endlich Wetter und Motivation für die Wanderung auf den Ben Lomond. Wir kaufen ein Kombiticket für die Seilbahn und starten an dem Punkt, an dem wir vor ein paar Tagen aufgehört haben. Die ersten Meter führen durch einen erstaunlich dunklen Nadelwald (die Bäume sind angeblich gar nicht heimisch hier). Dann geht es mit freiem Blick durch ein Seitental bis zum Ben Lomond Sattel. Der Blick auf die Gebirge auf der anderen Seite ist beeindruckend. Was uns aber sprichwörtlich den Atem verschlägt, ist der Wind, der an dieser Stelle seine maximale Kraft entfaltet. Er begeitet uns auf unserem weiteren Weg den Grat entlang und macht uns ziemlich langsam. Der letzte Abschnitt führt in Serpentinen scheinbar endlos bis zum Gipfel. Der Blick auf den Lake Wakatipu entschädigt für den Wind, der hier fast so stark ist wie auf dem Sattel. Der See hat eine gezackte Form, Queenstown liegt an einem kurzen Seitenarm. Die wahren Dimensionen werden also erst von oben deutlich, obwohl wir selbst von hier nur knapp die Hälfte der Wasserfläche sehen können. Zurück an der Seilbahnstation gibt es einen unterhaltsamen Abschluss für unsere Wanderung: The Luge. In kleinen Karts kann man auf kurviger Strecke den Hang hinunter fahren (dafür war das Kombiticket mit der Seilbahn nötig). Als ich darin sitze, fühlt sich die Geschwindigkeit deutlich schneller an, als ich als Zuschauer gedacht hätte. Hat Spaß gemacht.









Am letzten Tag in Queenstown gehen wir ins Fitnessstudio, Kalorien verbrennen, damit wir beim Abendessen kein so schlechtes Gewissen haben müssen. Im „Bavarian“ gibt es All-You-Can-Eat mit bayrischen Fleischspezialitäten. Auch, wenn nicht alles wirklich traditionell bayrisch ist, schmeckt es sehr gut und ist für hiesige Verhältnisse auch recht günstig.


Die Fahrt zum Lake Tekapo führt uns ein Stück zurück durch das Tal des Kawarau River. In dieser Gegend gibt es eine Reihe natürlicher und künstlicher Bergseen, die Teil eines riesigen Wasserkraftwerks sind. An einem dieser Seen, dem Lake Pukaki halten wir an. Unser Busfahrer ist ganz euphorisch aufgrund des guten Wetters. Am Ufer des Sees verstehen wir warum. Die Sonne strahlt die schneebeckten Gipfel in der Ferne an und verstärkt das geradezu unnatürliche Blau des Wassers. Neuseeland hat viel schöne Natur zu bieten, aber zum ersten Mal bin ich wirklich sprachlos. Dieser Ausblick ist so wunderschön, würde ich nicht selbst hier stehen, ich würde denken die Fotos sind gefälscht. Die Farbe des Wasser entsteht durch winzige Mineralstoffteilchen aus dem Getscherschmelzwasser. Sie reflektieren das blaue Licht. Am Nachmittag erreichen wir den Lake Tekapo. Auch er ist wunderschön blau, nur nicht ganz so strahlend und ohne die hohen Berge im Hintergrund. Auf einem Hügel neben den See gibt es ein Observatorium und einen Aussichtspunkt. Ich quäle mich hoch (Muskelkater von gestern…). Von oben sieht man die Wasserkanäle, die in irrem Blau durch die Landschaft führen. Die Farbe des Sees ist von oben lustigerweise nicht so intensiv, wie von unten. Am frühen Abend schlägt das Wetter um. Wolken ziehen auf, ein stürmischer Wind bläst. Eigentlich eignet sich der Ort hier ideal zur Sternbeobachtung, weil die Luftverschmutzung so gering ist (deshalb auch das Observatorium). Als wir ins Bett gehen, sind aber nur Wolken zu sehen. Später erfahren wir, dass sie sich eine Stunde danach verzogen haben. Chance vertan. Schade.






Dann fahren wir zu unserem letzten Ziel in Neuseeland, nach Christchurch. Die letzte Fahrt mit dem Kiwi Bus, ich bin ein bisschen wehmütig. Patrick hat uns für hier eine ungewöhnliche Unterkunft ausgesucht: Ein ehemaliges Gefängnis. Am Nachmittag schlendere ich durch den hübschen Botanischen Garten und durch die Innenstadt mit ihren zahlreichen Baustellen (die Schäden des Erdbebens von 2011 sind noch nicht ganz beseitigt).









Den letzten Tag verbringen wir im Willowbank Wildlife Reserve. Wir streicheln hungrige Aale, füttern Schafe und Kühe und sehen den schlafenden Capybaras zu. Es gibt auch Äffchen, Schildkröten, Wallabies und viele Vögel. Der Parkteil mit den einheimischen Tieren ist etwas enttäuschend. Sie scheinen sich alle versteckt zu haben. Beobachten können wir aber die beiden bekanntesten Vögel: Kea (Bergpapageien) und Kiwis in ihrem abgedunkelten Haus.






Damit sind vier Wochen in Neuseeland zu Ende. Das Land hat wunderschöne Naturschauspiele zu bieten und jede Menge Aktion für Adrenalinjunkies. Die Fahrt mit dem Kiwi Bus mit den vielen abgelegenen Stopps ist perfekt, um möglichst viel von diesem Land zu entdecken, wenn man sich kein Auto mieten möchte. Ein super Reiseland (sehr sicher), das sehr viele verschiedene Landschaften auf kleiner Fläche vereint. Allerdings gibt es Strände, Gletscher und Bergseen auch in Europa, die weite Reise lohnt sich also vielleicht nicht für jeden. Christchurch ist immerhin der am weitesten von München entfernte Punkt auf unserer Reise. Von jetzt an geht es Stück für Stück wieder Richtung Heimat.
