16.01.23-22.01.23
Mitten in der Nacht landen wir in Auckland und warten bis zum Morgengrauen am Flughafen. Patrick schläft, ich huste. Mit dem ersten Shuttlebus fahren wir ins Zentrum. Wir sind die einzigen. Erster Eindruck der Stadt: Es ist verdammt hügelig, quasi jede Straße führt steil bergauf oder bergab. Das Frühstück dehnen wir so lange aus, wie irgendwie möglich. Dann versuchen wir, noch immer viel zu früh, ins Hotel einzuchecken – und haben Glück. Mein Powernap ist nicht erholsam, im Gegenteil, die zweite Erkältungswelle hat jetzt auch mich voll erwischt, samt Augenentzündung.
Von einer der wenigen Aktivitäten, die Auckland zu bieten hat, haben wir für den Nachmittag den Sky Tower ausgesucht. Der Lift bringt uns in sekundenschnelle ins 52. Stockwerk. Das Wetter ist gerade noch gut genug, um die umwerfende Aussicht zu genießen. Weit unter uns sieht man die Dächer der Wolkenkratzer. In der Ferne liegt das Meer und der Hafen. Wie anderswo, gibt es auch hier durchsichtige Bodenfliesen, die die Höhe beim Darüberlaufen noch greifbarer machen sollen. Und sie sind nicht, wie sonst, verkratzt. Beste Voraussetzungen für wackelige Knie, falls man da anfällig ist.




Im äußeren Stadtgebiet gibt es mehrere kleine, grasbewachsene Vulkankegel. Der nächste, Mount Eden, ist zu Fuß erreichbar und eignet sich als ein weiterer Aussichtspunkt. Skyline dieses Mal mit, statt vom Sky Tower. Dann besuchen wir die Auckland Art Gallery. Ich kann die Ausstellung nur kurz genießen, bis mich ein Hustenanfall zum Rausgehen zwingt. Stattdessen laufen wir zum Fähranleger und beobachten, von einer der überraschend gemütlichen Holzliegen aus, die auslaufenden Schiffe.





Dann endlich geht unser Neuseelandabenteuer richtig los. Wir haben eine Busreise mit Kiwi Experience gebucht. Die nächsten Wochen werden wir von Stadt zu Stadt Richtung Süden fahren, bis wir in Christchurch ankommen. Der Bus ist bis auf den letzten Platz besetzt (das Hop-on Hop-off Prinzip funktioniert aktuell nicht wirklich). Am Nachmittag ist Zeit für eine Wanderung zur Cathedral Cove. Eine abgelegene Bucht mit Felstor und blauem, kalten Wasser. Die Wellen sind heute besonders hoch. Später in unserer Unterkunft lernen wir die Leute ein bisschen besser kennen, die wohl die nächsten Tage mit uns im Bus sitzen werden. Kurz vor Sonnenuntergang brechen wir mit Schaufeln bewaffnet zur Hauptaktivität auf. Der Ort hier heißt Hot Water Beach und das ist wörtlich zu nehmen. Die vulkanische Aktivität unter dem Strand ist so hoch, dass das Wasser sich lokal aufheizt. Man kann ein Loch im Sand graben und es wie eine Badewanne nutzen. Allerdings sind die heißen Stellen nur bei Ebbe zugänglich und die ist heute dummerweise erst nachts um halb elf. Wir warten nicht solange. Die Wellen sind heute einfach zu krass, selbst um halb zehn steht das Wasser noch hüfthoch. Für dieses Erlebnis haben wir leider nicht den richtigen Tag erwischt. Beim Entlanglaufen haben die Füße aber schon gemerkt, wie schmerzhaft heiß der Boden hier wird.






An Tag zwei verlassen wir die Coromandel-Halbinsel wieder. Ich kann verstehen, warum sie immer als besonders schönes Fleckchen angepriesen wird. Die kleinen Berge sind mit Baumfarnen und exotischen Nadelbäumen bewachsen. Jetzt, früh am Morgen, beleuchten die Strahlen der tief stehenden Sonne grüne Hügel voller Tau und grasender Kühe. Eine magische Atmosphäre, gerade so noch nicht kitischig. Nach einem Spaziergang durch alte Eisenbahntunnel (Bergbau…), geht die Fahrt weiter nach Waitomo. Dort besuchen wir die Ruakuri-Höhle. Der künstlich geschaffene Eingang führt in einer großen Spirale mit dramatischer Beleuchtung weit unter die Erde. Dort erwarten uns filigrane Tropfsteinformationen. Nach mehreren, teils sehr schmalen, Abschnitten geht der Weg in eine Brücke über. Unter uns können wir den Fluss hören, der die Höhle geschaffen hat. Und das Gelächter der Leute, die dort Rafting in der Finsternis genießen. Dann sehen wir endlich, wofür die Höhle (und andere in der Umgebung) berühmt ist: Glowworms. Sie haben nichts mit den deutschen Glühwürmchen zu tun. Es sind die Larven einer Mottenart, die an der Höhlendecke sitzen und mit ihrem bläulichen Licht Beute anlocken. Hunderte von ihnen (unregelmäßig verteilt) erschaffen gemeinsam einen künstlichen Sternenhimmel. Fotos geben den Anblick nur unzureichend wieder. Am Abend können wir sogar noch den echten Sternenhimmel bewundern. Unsere Unterkunft ist recht abgelegen und der Himmel so klar, dass die Milchstraße eindeutig zu erkennen ist.









Natürliche Tunnel im Sandstein sehen wir ganz in der Nähe auch oberirdisch. Den Hauptzwischenstopp heute, die Filmkulisse „Hobbiton“ für Herr der Ringe, lassen wir aus. Für Fans zwar ein Muss, aber uns ein bisschen zu teuer. Dann kommen wir in Rotorua an, wo wir die nächsten zweieinhalb Tage verbringen. Die Stadt ist bekannt für die geothermische Aktivität in der Region. Das merkt man auch direkt, denn überall riecht es unangenehm nach Schwefel. Mitten in der Stadt liegt der Kuirau-Park. Hier gibt es dutzende unterschiedlich große Wasserlöcher und Teiche. Aus manchen blubbern kleine Mengen Gase, andere sind so heiß, dass alles voll Dampfschwaden hängt. Man kann die Energie sogar direkt vor Ort nutzen: In den öffentlichen Fußbädern.








Im Osten von Rotorua liegt der Redwood Wald. Die Bäume wurden vor vielen Jahren hier gepflanzt (sie sind nicht heimisch) und sind zu beeindruckender Größe heran gewachsen. Ein ganze Reihe Mountainbike Trails führen durch den Wald, außerdem der „Treewalk“ und mehrere Wanderwege. Wir nehmen den mit mittlerer Länge und bewundern die vielen Farne und die riesigen Bäume. Am meisten überrascht uns aber der unglaubliche Lärm, den tausende Insekten in den Ästen über uns machen (Zikaden?). Am Abend hören wir eine Weile der Live Band im Irish Pub zu. Es gibt nicht viele Alternativen, fast alle Läden schließen schon am Nachmittag. Die Stadt ist zu fast jeder Tageszeit wie ausgestorben.






Rotorua liegt an einem relativ großen See. Man kann/darf zwar nicht drin schwimmen, aber es gibt einen Holzsteg, der am Ufer entlang führt. Es ist bewölt und nieselt, die Atmosphäre ist fast herbstlich, aber irgendwie trotzdem schön. Wir beobachten eine Weile die vielen schwarzen Schwäne, bevor uns der stärker werdende Regen umkehren lässt.


