Woche 15: Adelaide

09.01.23-15.01.23

Von Melbourne nach Adelaide fahren wir mit dem „Overland“ Zug, der auf dieser Strecke seit 135 Jahren verkehrt. Die Waggons sind womöglich nicht mehr die gleichen wie damals, aber trotzdem altmodisch. Unsere digitale Reservierungsbestätigung wird in eine handgeschriebene Fahrkarte umgewandelt. Alle Fahrgäste bekommen erst am Bahnsteig ihre Sitze zugeteilt. Es gibt ziemlich viele Zugbegleiter, die vor jeden Halt ein paar Hintergrundinformationen zu der jeweiligen Kleinstadt geben. Wer aussteigen möchte, muss rechtzeitig Bescheid geben und wird dann hinausbegleitet. Die Landschaft ist ein bisschen trockener als auf unserer ersten Zugfahrt, sonst ähnlich. Nur kurz vor Adelaide gibt es eine Besonderheit: Der Murray River hat das umgebende Schutzgebiet überschwemmt, man sieht so viel Wasser wie wohl selten in Australien. Dank einer Stunde Verspätung erreichen wir unser Ziel nach 11,5 Stunden Fahrt.

Der Central Market ist ziemlich groß. Man kann leicht ein bis zwei Stunden dort verbringen und die Auslagen bewundern. Wir essen Kuchen und kaufen ein bisschen frisches Gemüse. Die beiden größten Innenstadt-Supermärkte befinden sich aber in der Rundle Mall. Der Name ist irreführend, die Mall ist kein Gebäude, sondern gleicht eher einer typischen Fußgängerzone. Verglichen mit der sonst recht ruhigen Stadt, ist hier immer was los.

Auch in Adelaide gibt es wieder einen kostenlosen Botanischen Garten. Er ist in die Parkanlage integriert, die die Innenstadt ringförmig umgibt. Es gibt drei Hauptsehenswürdigkeiten. Erstens das Bicentennial Conservatory, ein ungewöhlich geformtes riesiges Glaushaus, in dem man manchmal blühende Titanenwurz sehen kann. Zweitens einen ziemlich großen Rosengarten mit den neuesten Züchtungen. Und drittens ein kleines altmodisches Museum, in dem beispielhaft getrocknete Pflanzen(teile), nach ihren Familien sortiert, ausgestellt sind. Eine weitere gratis Attraktion ist das South Australian Museum. Ein Naturkundemuseum mit einer recht breiten Themenauswahl: Säugetiere (sortiert nach Koninenten), Aborigines (alles über ihre traditionelle Lebensweise), Fossilien, Antarktis, Ägypten, …

Am dritten Tag fahren wir nach Hahndorf. Die Siedlung wurde im 19. Jahrhundert von deutschen Auswanderern gegründet und soll noch heute sehr deutsch sein. Man wird am Ortseingang auch so begrüßt: „Willkommen in Deutschland“ steht auf einem Schild. Der Ort ist klein, die Sehenswürdigkeiten und Geschäfte liegen alle entlang der Hauptstraße. Nur ein paar Bauernhöfe (Steichelzoo, Erdbeerenpflücken, Kunstausstellung) liegen so weit außerhalb, dass ein Auto praktisch wäre. Wir schlendern also nur durchs Zentrum, trinken Hofbräu Bier (schmeckt sehr gut) und essen Breze (schmeckt sehr schlecht). Obwohl alle Restaurants deutsche Spezialitäten auf der Karte haben (vor allem Würstchen und Schnitzel), kommt es uns hier nicht annähernd so deutsch vor, wie wir erwartet hätten. Viele der Läden sind auch geschlossen. Am Ende verbringen wir die meiste Zeit auf dem Minigolfplatz.

Es ist wie verhext, gerade ging es uns besser, jetzt ist Patrick schon wieder krank. Während er im Bett liegt, erkunde ich den kleinen, aber sehr hübsch angelegten, japanischen Himeji Garden. Anschließend schlendere ich noch durch die Läden von Chinatown, die direkt neben dem Central Market liegen. Am Abend kann ich Patrick zumindest noch überreden mit nach Glenelg zu fahren. Die Tram hält dort direkt am Strand. Wir schauen der einheimischen Jugend zu, die vom Steg ins klare Wasser springt, genießen ein kühles Getränk in der Strandbar und schauen dann dem Sonnenuntergang zu.

Auch den nächsten Tag verbringe ich alleine. Es ist mühsam mit dem Bus zum Cleland Wildlife Park zu kommen (fährt selten und lange), aber es lohnt sich. Hier gibt es eine ganze Reihe australischer Tiere zu bewundern, viele davon in offenen Gehegen. Wegen der Hitze (36 Grad) darf man heute keine Koalas halten, aber dafür bin ich eh nicht hier. Ich will die Kängurus sehen. Und hier gibt es sieben Arten (von über sechzig). Zuerst bekomme ich eine kostenlose (und private) Führung zu den Tieren, die in abgetrennten Bereichen leben (u.a. Kakadus, Dingos und Wombats). Dann laufe ich mit Futter ausgerüstet alleine weiter. Die winzigen Wallabies sind besonders süß, die Felswallabies bunt und scheu. Die Kängurus, die auf Kangaroo Island leben, sind erst zögerlich, aber dann so gierig, dass sie mich fast umwerfen. Emus sehe ich leider nur aus der Ferne, von Nahem dafür Echidnas (nächster „Verwandter“ des Schnabeltiers).

Drei Wochen Australien sind damit zu Ende. Wir haben nur einen kleinen Teil des Landes gesehen und waren durch die Erkältungen etwas eingeschränkt. Trotzdem hat es mir wirklich gut gefallen, viel mehr als ich zuvor gedacht hätte. Dieses Mal fliegen wir recht spät, unternehmen aber nichts mehr, sondern entspannen im Gemeinschaftsraum des Hostels.

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