29.11.2022-03.12.2022
Die nächste Station nach Mérida ist Campeche. Eine weitere Kolonialstadt, aber recht klein und wenig touristisch. Die schmalen Straßen sind gesäumt von bunten Häuschen und wirklich ein hübscher Anblick. Die Kehrseite: Autofahren macht hier wenig Spaß, zum Glück dürfen wir im Innenhof parken. Der Nachmittag reicht aus, um die Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Die Promenade bietet einen guten Ausblick über das Meer, das hier erstaunlich ruhig ist, es gibt kaum Wellen. Wir schlendern kurz durch den Park Moch Couoh. Ursprünglich wohl hübsch angelegt, ist er jetzt etwas vernachlässigt. Dann kommen wir zur bekanntesten Attraktion: Den Baluartes. Das sind in die Stadtmauer integrierte Wehranlagen, die zur Verteidigung gegen Piraten genutzt wurden. Große Teile davon und von der Mauer selbst sind noch intakt und begehbar. Das kleine Museum im Baluarte de San Carlos ist unspektakulär, aber die Aussicht vom Baluarte de San Francisco auf die Altstadt lohnt sich auf jeden Fall. Abends essen wir in der Calle 59, wo sich die Touristen-Restaurants drängen. Man sitzt mitten auf der hübschen, autofreien Straße. Leider sind die Qulität des Essens und der Straßenmusiker nicht ganz so hoch.





Tag zwei in Campeche verbingen wir am Strand. Der liegt etwas weiter im Süden und erfordert eine Eintrittsgebühr. Dafür gibt es Schirme, Toiletten und sauberen Sand. Auch hier gibt es keine Wellen, dafür jede Menge Pflanzen und Getier im leicht trüben Wasser – nicht ganz mein Fall. Mittags feuern wir gemeinsam mit den Einheimischen die mexikanische Fußballmannschaft bei der Weltmeisterschaft an. Ein gutes Spiel, leider reicht es nicht ganz fürs Achtelfinale.





Auf unser nächstes Ziel haben wir uns besonders gefreut: Calakmul, eine Mayastadt mitten im Duschungel, nur teilweise erforscht und zugänglich gemacht. Bei Sonnenaufgang brechen wir auf, es sind fünf Stunden Fahrt bis zur Ausgrabungsstätte. Die letzten 60km führen über eine einspurige Straße durchs Naturschutzgebiet. Man darf nur 30km/h fahren, wegen der vielen Tiere , die hier unterwegs sind. Vielleicht auch wegen der Schlaglöcher auf dem letzten Abschnitt… Die vielen Erklärtafeln im Eingangsbereich sind alle auf Spanisch, also laufen wir direkt weiter über rutschige Betonpfade zu den uralten Pyramiden. Das Besondere hier ist, das man auf fast alle hoch klettern darf. Auch die sonstigen Gebäude sind betretbar. Die Stufen sind wahnsinnig steil, aber wer sich hoch quält, wird mit einer beeindruckenden Sicht auf die grüne Wildnis und die benachbarten Tempel belohnt. Die Wege zwischen den Ruinen führen durch dichte Vegetation, entsprechend spät sieht man die jeweiligen Gebäude. Auch die alten Mauern und Stufen sind oft noch von Bäumen bewachsen. Ein völlig anderer Eindruck als in Chichen Itza. Auch, weil nur wenige Besucher hier sind. Es gibt Erklärtafeln zu allen Strukturen (hier auch auf Englisch), einschließlich der vielen Stelen, auf denen die Maya Jahreszahlen und wichtige Ereignisse verewigt haben. Der hintere Teil des Gelädes ist abgesperrt, aber so viel Zeit haben wir ohnehin nicht, sonst müssten wir im Dunkeln weiter nach Xpujil fahren. Die Sonne geht hier schon um fünf Uhr unter. Zum Abschluss sehen wir noch eine Affenfamilie aus nächster Nähe und unzählige wilde Truthähne am Straßenrand.








Die Halbinsel besteht aus drei Staaten: Yucatan, Campeche und Quintana Roo. In letzerem sind wir gestartet und dort fahren wir jetzt wieder hin. Genauer nach Bacalar, ganz im Süden. Der Ort liegt an einer Lagune (eigentlich ein See), die auch als Lagune der sieben Farben bekannt ist. Hellgrün, türkis, dunkelblau, … es sieht wunderschön aus. Wie so oft ist der Zugang zum Wasser fast überall mit Hotels verbaut. Aber es gibt zumindest ein öffentliches Balneario mit kurzem Steg. Die meisten Besucher hier unternehmen eine Bootsfahrt, so auch wir. Die Tiefe des Wassers schwank stark und entsprechend verändert sich der Blauton. Als wir an der Vogelinsel (die Vögel sind nur zur Brutsaison hier – gerade ist nichts los) Halt machen, schlägt das Wetter um. Innerhalb von Minuten ist der Himmel voll schwarzer Wolken, es windet und regnet. Wir sind ein bisschen besorgt, sehen aber zum Glück keine Blitze. Unser Kapität packt hektisch alle Rucksäcke in Plastiktüten. Dann vergräbt er den Anker tiefer im weißen Sand und springt ins Wasser. Macht Sinn, denn es ist deutlich wärmer als im Regen auf dem Boot zu sitzen. Zwar kommt uns das Warten lange vor, aber nach verhältnismäßig kurzer Zeit ist der Tropenschauer vorbei und wir können weiter fahren. Die berühmten Stromatolithen (urzeitliche Mikroorganismen, die eine Art lebenden Stein bilden) sieht man vom Boot aus leider nur als dunkle Flecken am Seegrund. Wir halten an, um zu schwimmen. Ein tolles Gefühl sich in dem glasklaren Wasser treiben zu lassen, ohne hinterher voller Salz zu sein. Zuletzt fahren wir noch an den Cenoten vorbei. Die ersten beiden sind große, runde Löcher, die konisch in eine Tiefe von circa 50m führen. Entsprechend dunkelblau sieht das Wasser hier aus. Die dritte Cenote ist aber noch beeindruckender. Zwar viel kleiner im Durchmesser, aber mehr als 90m tief! Von einem Moment zum nächsten bricht der Boden senkrecht in schwarze Dunkelheit ab. Auf den letzten Metern fängt es wieder an zu regnen. Dadurch wird die Wasseroberfläche undurchsichtig und die Farbe sieht wieder ganz anders aus.





