11.06.23-18.06.23
Die Fahrt zum Königssee ist ohne Auto eine kleine Weltreise für sich. Mit drei Zügen und einem Bus schaffen wir es in knapp vier Stunden zu unserem Startpunkt in der Nähe von Schönau. Das Wetter ist wunderschön. Zuerst laufen wir durch Buchenwald und erhaschen auch einen Blick auf den Königssee. Als die erste Alm auftaucht, machen wir eine Mittagspause. Jetzt geht es auf breiten Schotterwegen mal durch Fichtenwald und mal an Kuhweiden entlang. Meine Kondition lässt zu wünschen übrig. Obwohl diese erste Etappe sehr kurz und wenig anspruchsvoll ist, schleiche ich im Schneckentempo den Berg hoch. Ich bin wirklich erleichtert, als das Schneibsteinhaus in Sicht kommt. Am Nachmittag blättern wir in Ruhe in den Bergsteigermagazinen. Nach dem Abendessen genießen wir, gemeinsam mit den beiden einzigen anderen Gästen, die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse. Hinter uns ragt der Schneibstein, den wir morgen besteigen wollen, auf.






Nach langem Hin und Her haben wir es uns anders überlegt. Der Schneibstein sieht von hier zwar schneefrei aus, wir sind aber unsicher, was den Abstieg auf der schattigeren Rückseite angeht. Also nehmen wir den Weg ohne Aussicht, der weiter unten entlang führt. Nach einem reichhaltigen Frühstücksbuffet geht es los, erstmal bergab. Mir gefällt der schmale Pfad, der uns zwischen Bäumen hindurch und über eine sumpfige Blumenwiese führt. Eine Stunde lang sehen wir niemanden sonst. Mit dem Watzmann immer im Blick laufen wir weiter. Vom Feuerpalfen aus schauen wir auf den Königssee tief unter uns. Ganz in der Nähe befindet sich die Gotzenalm, der perfekte Platz fürs Mittagessen. In der Ferne sehen wir schon das Steinerne Meer, leider überwiegend schneebedeckt. Man merkt zunehmend, dass wir uns in einem Nationalpark befinden. Abgestorbene Bäume bleiben einfach an Ort und Stelle stehen bzw. liegen. Es fliegen auch viel mehr Insekten herum. Wir gehen lange bergab, langsam fangen die Füße an weh zu tun. Der eigentliche Anstieg liegt noch vor uns. Jetzt kommt der Obersee in Sicht. Der Hang neben uns stürzt gefährlich steil nach unten ab. Nach einer weiteren Stunde erreichen wir erschöpft die Wasseralm, genau pünktlich zum Abendessen. Als es dämmrig wird, taucht nur wenige Meter entfernt eine Gruppe Rehe auf und lockt die Wanderer kurz nach draußen.









Die Alm wird einmal wöchtenlich per Hubschrauber versorgt, so auch heute. Alle schauen neugierig zu, bevor die Wanderung durch lichten Wald startet. Auf dem Halsköpfl, dem höchsten Punkt heute, machen wir eine kurze Pause. Wir genießen den Ausblick und schauen den tanzenden Schmetterlingen zu. Außerdem gibt es Handyempfang, zum ersten Mal seit zwei Tagen. Auf dem Weg nach unten laufen wir am Schwarzensee vorbei, später am Grünsee. Dann geht es wieder steil bergauf. Ich bin total k.o. Als wir es nach oben geschafft haben, treffen wir ein Murmeltier, das scheinbar furchtlos für die Kamera posiert. Im Kärlinger Haus essen wir und laden unser Gepäck ab. Die Zimmer sind hübsch renoviert, ansonsten ist die Hütte etwas unpersönlich. Am Nachmittag laufen wir die paar Meter hinunter zum Ufer des Funtensees. Er ist berühmt für seine winterlichen Tiefsttemperaturen. Um diese Jahreszeit ist er einfach ein kleiner Bergsee, ein paar Motivierte gehen sogar schwimmern.









Auch am nächsten Tag müssen wir unsere Pläne anpassen. Auf der langen Route durch das Steinerne Meer sollen noch bis zu zwei Meter Schnee liegen. Stattdessen nehmen wir den direkten Weg zum Ingolstädter Haus. Auch hier laufen wir zwei Drittel der Zeit über Schneefelder. Mittags kommen wir an der Hütte an, die knapp hinter der österreichischen Grenze liegt. Wir sind so ziemlich die Ersten. Den Nachmittag verbringen wir mal wieder mit Zeitschriftenlesen, während langsam mehr Leute eintrudeln. Dem Sonnenuntergang schauen wir nur durchs Fenster zu, draußen ist es kalt geworden.






Am Donnertag gehen wir eine Stunde lang den Weg von gestern zurück. Dann biegt er ab, wir lassen das Steinerne Meer hinter uns. Nur hin und wieder schauen Wegmarkierungen unter dem Schnee hervor, der Pfad ist komplett darunter verborgen. Deswegen laufen wir einfach gerade aus den Hang hoch, es ist ziemlich steil. Heute strahlt die Sonne nicht mehr so, wie die letzten Tage. Über dem Watzmann hängen dunkle Wolken. Wir versuchen uns zu beeilen. Bergab im Schnee klappt das auch ganz gut. Man kann einfach mit großen Schritten hinunter gleiten. Dann kommt ein steiler Felsabschnitt. In der Ferne sehen wir eine Gruppe Baby-Gämsen, die übermütig herum springen. Zwei Stunden lang laufen wir über einfach begehbare Bergpfade zur Wimbachgrieshütte. Hier wollten wir eigentlich übernachten, um den langen Abstieg aufzuteilen (meinen Knien zu Liebe). Aber es ist noch früh und ich fühle mich fit, also laufen wir weiter. Mittlerweile sind wir wieder von Wald umgeben. Eine sanft abfallende Schotterstraße führt ins Tal. Wir schaffen es eine ganze Stunde schneller nach Ramsau als auf den Schildern angegeben. Gemeinsam mit den ganzen Tagesausflüglern nehmen wir den Bus nach Schönau und die Bahn nach Freilassing. Hier herrscht Chaos im Bahnbetrieb. Es begleitet uns bis nach Hause und beschert uns eine fast zweistündige Verspätung.






Kontrastprogramm am Freitag: Die letzte 90er Party in unserem Lieblingsclub in München, denn er wird geschlossen. Nach einem gemütlichen Abend im Biergarten, feiern wir in der üblich stickigen Untergeschosshitze uns und die Musik. Das Wochenende gehört dann der Familie, es ist Grillzeit!

