18.11.22-25.11.22
Das Paradies hat eine lange Anfahrt. Knapp zwei Stunden fährt man mit dem Bus von Cancún schnurgerade durch den Dschungel bis an die Küste in Chiquilá. Von dort bringt einen die Fährte in einer weiteren halben Stunde zum kleinen Hafen von Holbox. Eine ganze Reihe Golfkart-Taxis wartet schon. Die günstigen Unterkünfte sind aber alle in Laufweite, deswegen gehen wir zu Fuß. Unser Zimmer für die nächsten sieben Tage ist hübsch eingerichtet mit Topfpflanzen und Hängematte. Im buntbemalten Innenhof gibt es noch viel mehr Pflanzen und Lichterketten. Hier kann man es wirklich aushalten.


Wir können es gar nicht erwarten das Meer zu sehen, das gerade mal fünf Minuten entfernt liegt. Und dann bin ich doch ein bisschen enttäuscht. Nach dem Traumstrand von Cancún sieht hier alles ein kleines bisschen weniger perfekt aus. Der Sand ist fest verbacken, das Meer trüb und nicht wirklich blau, außerdem liegt viel Seetang herum. Allerdings ist es auch gerade bewölkt. Der Wind weht so stark, dass ich friere, obwohl es weit mehr als 20 Grad hat.
Der nächste Morgen sieht schon ganz anders aus. Es sind zwar noch immer dunkle Wolken am Himmel, aber sie verdecken die Sonne nicht und auch der Wind ist verschwunden. Jetzt sieht das Wasser blassgrün aus. Es ist so flach, man könnte hunderte Meter weit hinaus laufen. Wir beobachten die verschiedenen Vögel (unter anderem Reiher) und bewundern die vielen Muscheln am Strand.





Dann ist Sonntag. Der Tag, bei dem ich nicht wusste, ob ich mich darauf freuen soll oder nicht. Mein Geburtstag. Patrick überredet mich zu einer Massage am Strand (die ziemlich gut ist). Wir liegen in der Sonne und gehen Kuchenessen. Ich probiere meine erste Languste bei einem schicken Italiener. Dann lassen wir den Abend bei einem Mezcal-Cocktail ausklingen. Ein schöner und gleichzeitig seltsamer Geburtstag. Immer habe ich mich über das Novemberwetter in Deutschland geärgert und jetzt am Strand merke ich, dass es irgendwie zu meiner persönlichen Geburtstagsstimmung dazu gehört. Verrückt.


Holbox ist eine schmale, sehr langgestreckte Insel. Der größte Teil ist Naturschutzgebiet. Aber von der Stadt aus kann man zum Westende laufen. Wir nehmen den Weg am Strand entlang. Hier sind viel weniger Leute als im Zentrum und je weiter wir kommen, desto teurer sehen die Resorts aus. Es liegt tonnenweise Seetang herum, darin tote Pfeilschwanzkrebse, die ich bisher nur im Biologieunterricht gesehen habe. Als das Gebüsch am Wasser zu undurchdringlich wird, laufen wir auf den Straßen im Landesinneren weiter. Ein Fehler. Sie bestehen quasi nur aus Pfützen. Den ersten können wir noch ausweichen, aber auf den letzten Metern bleibt uns nichts anderes übrig, als durch das knöcheltiefe Schmutzwasser zu waten. An dem schmalen Strand hier merkt man den Übergang zur Mangrovenlandschaft. Das Meer ist noch flacher und trüber und es gibt überhaupt keine Wellen. Wir bleiben nur kurz und entscheiden uns auf dem Rückweg gegen die Pfützen und für den unwegsamen Strandabschnitt.





Wir verbringen die Tage an verschiedenen Stellen des langen Strandes. Besuchen die Hunde im Animal Sanctuary. Schlendern durch die sandigen Straßen rund um den Hauptplatz (hier werden diverse Souvenirs verkauft). Und probieren uns durch die vielen Hipster-Restaurants. Die Atmosphäre ist tropisch und gechillt. Wären die Golfkarts elektrisch angetrieben und nicht so wahnsinnig laut, könnte man hier ewig bleiben.



Am letzten Tag laufen wir zur Punta Mosquito, ohne genau zu wissen, was uns dort erwartet. Der Weg ist ungewöhnlich, denn er führt durchs Wasser. Eine Sandbank erstreckt sich knapp hundert Meter von Strand entfernt an der Küste entlang. Das Wasser ist meist knietief, nur an zwei oder drei Stellen wird man noch nasser. Es ist anstrengend gegen den Widerstand zu laufen, über ein Stunde brauchen wir. Ich bin ein bisschen angespannt, die Pflanzen im Wasser fühlen sich komisch an und angeblich gibt es Stachelrochen am Boden. Wir sehen tatsächlich Rochen, ob sie Stacheln haben weiß ich nicht, auch nicht, ob man versehenlich auf sie treten kann (schwimmen immer schnell weg). Jedenfalls ist das Wasser zu schmutzig um wirklich zu sehen, wohin man tritt. Nach der Hälte des Weges sehen wir das Ziel: Bestimmt zehn kleine Boote mit Touristen haben sich an einer Stelle versammelt. Dort wird das Wasser immer klarer und flacher, bis die Sandbank aus dem Wasser ragt. In die eine Richtung sieht man aufs offene Meer (hier ist es schön türkis), in die andere das Naturschutzgebiet und ganz weit entfernt sogar Flamingos.


